Startseite Presse 2005 „Finanzielle Entlastung“ aber auch „Schlag ins Gesicht“
„Finanzielle Entlastung“ aber auch „Schlag ins Gesicht“ Drucken E-Mail
Donnerstag, den 22. Dezember 2005 um 01:00 Uhr

Gemischte Reaktionen von Apfelbaum- und Werkschulverein auf Pläne von Kultusminister Steffen Flath zu freien Schulen

Mügeln/Naundorf. „Für uns ist es zu spät, aber ich bin sehr froh, dass Herr Flath einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat“, sagt Stefanie Schwaiger, Vorsitzende des Apfelbaumvereins, der die gleichnamige Grundschule in Schweta betreibt. Sachsens Kultusminister Steffen Flath hatte vorgestern angekündigt, Freie Schulen bereits nach drei Jahren zu bezuschussen. Seit 2001 müssen diese Schulen vier Jahre ohne staatliche Unterstützung auskommen, davor waren es nur zwei gewesen. Die Änderung ist Teil des neuen Privatschulgesetzes, das das Kabinett nun zur Anhörung freigegeben hat.
„Drei Jahre sind angesichts leerer Kassen ein sehr guter Kompromiss“, betont Stefanie Schwaiger. „Sie sind zu schaffen, aber es ist hart.“ Die Apfelbaumschule selbst steckt gerade im vierten Jahr – und eine Zeit lang sah es so aus, als könnte dieses das letzte werden. „Vier Jahre sind fast unmöglich zu schaffen“, sagt die Vereinsvorsitzende und betont, nach großen Anstrengungen der letzten Monate sei die Finanzierung für das Schuljahr nun aber gesichert.

Sie kritisiert zugleich, dass nach den Plänen Flaths ab dem vierten Jahr weiterhin nur 90 Prozent der Kosten vom Staat gezahlt werden sollen. „In der Praxis kommt man nie auf 90 Prozent.“ Positiv sieht sie dagegen den Plan, dass das Schulgeld künftig nicht mehr auf die staatlichen Zuschüsse angerechnet werden soll. „Ich finde es gut, dass die Schule dann die Freiheit hat, über die Höhe des Schulgeldes zu entscheiden“, betont Schwaiger. Nimmt eine freie Schule mehr als 56 Euro pro Kind und Monat, werden die staatlichen Zuschüsse bislang um die Differenz gekürzt. „Kaum eine Schule schafft es, mit 56 Euro auszukommen“, weiß sie. Dennoch glaubt sie nicht, dass der Apfelbaumverein das Schulgeld in horrende Höhen anheben würde. „Wir sind um jeden Schüler froh, den wir haben.“
18 Schüler sind es bereits, die für die Freie Werkschule Naundorf angemeldet wurden, die der Evangelische Werkschulverein ab kommendem Schuljahr in der Naundorfer Mittelschule mit einer fünften Klasse starten möchte. Den Plan, bereits nach drei Jahren Zuschüsse zu zahlen, sieht man dort positiv: „Für uns wäre es eine enorme finanzielle Entlassung“, so Vereinsvorsitzender Hans-Jörg Rummel. Bislang kalkuliert der Verein mit 800 000 Euro für die ersten vier Jahre – setzt sich Flath durch, könnte ein Drittel weniger genügen. Vorausgesetzt, das Gesetz wird verabschiedet, bevor der Werkschulverein seinen Antrag beim Regionalschulamt stellt. „Wir machen ihn aber nicht davon abhängig“, sagt Rummel, dem allerdings Flaths Ankündigung Sorgen bereitet, dort freie Schulen zu verhindern, wo eine Mittelschule geschlossen wurde. „Das ist ein Schlag ins Gesicht.“ Zugleich betont er aber,
dass die Schließung der Mittelschule nur der Anlass für die Gründung der Werkschule ist. „Unser pädagogisches Konzept geht natürlich darüber hinaus.“
Wie Stefanie Schwaiger begrüßt auch er die Änderungen beim Schulgeld wegen des Gestaltungsspielraums, den sie den Schulen bringen würde. Dennoch befürchtet er, dass sich Gerüchte bewahrheiten, nach denen der staatliche Zuschuss künftig nicht mehr in Prozent sondern mit einem Festbetrag pro Schüler gezahlt würde. „Ich vermute, dass die Förderung insgesamt reduziert wird.“ Doch in erster Linie hofft er, „dass die Werkschule nicht abgelehnt wird, weil gerade in Naundorf eine Mittelschule geschlossen wird.“

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 22.12.2005