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Samstag, den 26. November 2005 um 01:00 Uhr

Werkschulverein arbeitet an Antrag für Mittelschule in Naundorf / Inzwischen 14 Anmeldungen

Naundorf. Der evangelische Werkschulverein hat bereits 14 Anmeldungen für die geplante Mittelschule erhalten. Doch ob aus dem Plan Realität wird, entscheidet sich erst kurz vor Beginn des kommenden Schuljahres, schätzt der Vorsitzende des Vereins Jugendpfarrer Hans-Jörg Rummel. Zurzeit arbeiten die Mitglieder an dem Antrag - und bekommen Gegenwind aus umliegenden Gemeinden zu spüren.
„Nicht alle Gemeinden lassen uns zur Werbung in ihre Grundschulen“, sagt Rummel. Dazu gehört die Stadt Mügeln. „Ich möchte nicht, dass der Verein in unserer Grundschule Info-Veranstaltungen abhält“, sagt Gotthard Deuse, der Bürgermeister der Stadt. Private Schulen hätten auch andere Möglichkeiten, Werbung zu machen. Er betont „Ich versuche meine Schüler hier zu halten.“ Prinzipiell sei Schulvielfalt nichts Schlechtes. „Die Goetheschule Mügeln ist für den Wettstreit aber gut gerüstet.“

Nicht nur deren Zukunft ist unsicher. Die der Mittelschulen in Dahlen und Wermsdorf ebenfalls. Der Wermsdorfer Bürgermeister Wilfried Claus glaubt nicht, dass die geplante Werkschule „grundlegende Auswirkungen“ auf seine Gemeinde hat. Er rechnet damit, dass nur einzelne Kindern dorthin wechseln. Dahlen Bürgermeister Johannes Rudolph sieht dies anders: „In der jetzigen Situation ist jede Mittelschule in der Gegend für uns eine Konkurrenz.“ Dennoch, betont er, habe er vollstes Verständnis für die Naundorfer Bemühungen. Als der Werkschulverein im Amtsblatt der Gemeinde Werbung machen wollte, hat er dies aber abgelehnt. „Das würde zu weit führen.“
Hans-Jörg Rummel kann die Gemeinden auch verstehen, die um ihre eigene Mittelschule bangen. „Wir wollen ja auch nicht als Sündenböcke für weitere Schulschließungen dastehen“, sagt er. Trotzdem hofft der Verein auf weitere Anmeldungen von künftigen Fünftklässlern. Doch diese, so betont Rummel, müssten sich auch an einer anderen Schule anmelden. „Dann sind die Eltern auf der sicheren Seite. Denn Klarheit ist erst bis ganz kurz vor Beginn des Schuljahres zu erwarten.“ Das könne auch eine Woche vorher sein. Dies hängt davon ab, wann das Regionalschulamt den Antrag des Vereins genehmigt. Noch haben die Mitglieder diesen nicht gestellt. Rummel rechnet spätestens bis März damit.
Bis es soweit ist, müssen die Vereinsmitglieder noch einige Hürden nehmen: „Wir brauchen noch Lehrer“, betont Rummel. Eine Bewerbung hat der Verein bereits bekommen. Nun hofft er auf weitere. Die Voraussetzungen: „Es muss ein Mittelschullehrer mit einem Hauptfach sein.“ Erfahrung in Reformpädagogik sei nicht notwendig, das Interesse, sich auf diesem Feld fortzubilden allerdings schon.
Was dem Verein ebenfalls noch fehlt, ist Geld. Das pädagogische und das finanzielle Konzept stehen aber bereits. Auch die Gemeinde Naundorf hat dem Verein zugesichert, dass er das Gebäude der Mittelschule nutzen kann, wenn diese zum Schuljahresende schließt.
All dies ist nötig, damit der Antrag gute Chancen hat, betont auch Roman Schulz, Sprecher des Regionalschulamtes Leipzig. Wie hoch die Chancen der Werkschule sind, könne er ohne Antrag aber nicht einschätzen. „Das ganze Paket muss stimmig sein. Und es sollte einen gewissen Bedarf geben.“ Außerdem, betont Schulz, müsse das Vorhaben mit dem Landkreis abgestimmt sein. Und es müsse dargelegt werden, wie vergleichbare Abschlüsse mit den staatlichen Schulen erreicht werden können.
Nicht nur auf den Verein kommt wegen des Antrags Arbeit zu, sondern auch auf das Regionalschulamt. Mehrere Wochen und Monate wird es dauern, bis der Antrag geprüft ist, sagt Schulz. Deshalb empfiehlt er, diesen .so zeitig und gründlich wie möglich" zu stellen.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 26.11.2005