Startseite Presse 2005 Lernen mit dem Hirn, Herz und Händen
Lernen mit dem Hirn, Herz und Händen Drucken E-Mail
Montag, den 21. November 2005 um 01:00 Uhr

Rund 100 Eltern und Kinder aus der Region informieren sich über das Konzept der geplanten Werkschule in Naundorf

Naundorf . Mit so vielen Interessenten haben die Veranstalter nicht gerechnet: Rund 100 Väter, Mütter und Kinder drängten sich Mittwochabend in der Mittelschule Naundorf. Dort hatte der Evangelische Werkschulverein zur Infoveranstaltung eingeladen. Geht alles nach Plan, startet er in den Gebäuden kommendes Schuljahr eine alternative Mittelschule mit einer fünften Kasse. Noch laufen Anträge zur Genehmigung, staatlichen Anerkennung und finanziellen Unterstützung.
Ein greifbarer Erfolg hatte der Abend für den Werkschulverein: Zwei neue Vereinsmitglieder und Anmeldungen für die Schule. Nun sind 13 Jungen und Mädchen dafür angemeldet. Eine davon ist Anna, die Tochter von Rico Riese aus Mahlis, die noch die vierte Klasse der evangelischen Apfelbaumschule besucht: „Wir sind davon überzeugt wie es in der Apfelbaumschule läuft, unter anderem davon, wie die Eigenverantwortlichkeit gestärkt wird.“ Außerdem würden die Kinder gerne in die Schule gehen. Deshalb will er seine Tochter auf die Werkschule schicken, auch wenn sie eine Gymnasialempfehlung erhält.

Ob ihre Jungen - beide Viertklässler in der Hofer Schlossschule - diese ebenfalls erhalten, wollen Edeltraud Seyfert aus Casabra und Hanka Träger aus Stennschütz noch abwarten, bevor sie sich für eine Schule entscheiden. „Der kurze Weg ist ein Anreiz“, sagt Edeltraud Seyfert. Die Stauchitzer Mittelschule sei aber auch nicht weit entfernt und würde ebenfalls freien Unterricht anbieten. Und Hanka Träger meint: „Die Informationen klingen gut, aber ich muss sie erstmal richtig verarbeiten."
Christliche Werte von Bedeutung
Toleranz, Menschlichkeit und weitere christliche Werte seien ihnen wichtig - das war einer der Punkte, die der Vereinsvorsitzende und Jugendpfarrer Hans-Jörg Rummel und Oliver Leiste, Vorstandmitglied und Lehrer an der Apfelbaumschule, erläuterten. Eine weitere Säule sei „ganzheitliches Lernen, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen und Händen“, betont Leiste. „Wir wollen auch mit den Firmen der Umgebung zusammenarbeiten.“ Die Schüler sollten sich außerdem mit eigenen Firmen ausprobieren können. In Schülerparlamenten solle zudem besprochen werden, „was mit den Schülern gemeinsam planbar ist“. Auch die Eltern sind gefragt - unter anderem bei der Schülerbeförderung. In Schweta wird sie beispielsweise durch Fahrgemeinschaften organisiert.
Der Unterricht soll nicht nur freier gestaltet werden als an staatlichen Schulen. Im Gegensatz zu diesen muss die Werkschule außerdem Schulgeld verlangen. 55 Euro pro Monat sind geplant. „Auf das Geld können wir nicht verzichten. Wir hoffen, dass uns die Eltern darüber hinaus mit einer Spende in der gleichen Höhe unterstützen“, so Rummel. Um alle Kosten zu decken - im ersten Jahr sollen zwei Lehrer halbtags eingestellt werden - genüge dies aber nicht. Deshalb ist der Pfarrer froh, dass die Gemeinde Naundorf plant, die Kosten für den Unterhalt der Gebäude zu tragen. „Das wäre eine große Hilfe“, so Rummel. Er hofft, dass insgesamt rund 25 Elternpaare ihre Kinder anmelden.
Zu den Unentschlossenen gehören auch Eltern von Viertklässlern aus der Grundschule Liebschützberg. „Ich bin noch am Überlegen, ob ich mein Kind hier anmelde“, sagt Annett Franzke aus Merkwitz nach der Veranstaltung. Das Schulgeld schreckt sie nicht: „55 Euro im Monat sind verträglich, dafür dass es eine gute Schule ist“" Rita Winkler aus Wellerswalde hat dagegen wegen der 55 Euro pro Monat Bedenken. „Aber das Konzept ist überzeugend. Wo wird ein Kind heute noch so ernst genommen.“

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 21.11.2005