Startseite Presse 2005 In der Schullandschaft gibt es ein neues Angebot
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Samstag, den 05. November 2005 um 01:00 Uhr

Mutige Eltern aus Naundorf haben den Evangelischen Werkschulverein gegründet und wollen eine Mittelschule betreiben.

„Das Projekt nimmt Gestalt an. Entschieden ist noch nichts. Doch wenn es nach unseren Plänen geht, zieht im kommenden Schuljahr die Evangelische Werkschule in das Gebäude der Naundorfer Schule ein“ sagte Vorstandsmitglied Elisabeth Däbritz.
Im Mai diesen Jahres ist der Evangelische Werkschulverein gegründet worden. „Als fest stand, dass unsere Naundorfer Schule geschlossen wird, haben wir nach Möglichkeiten gesucht, die Schule im Dorf zu erhalten“, erzählt Elisabeth Däbritz. Da sich im Nachbarort Schweta die evangelische Grundschule „Unterm Apfelbaum“ befindet, habe es sich angeboten, ein darauf aufbauendes Schulangebot zu machen. Dass die Vereinsmitglieder voll hinter der Sache stehen, beweisen zum einen ihre bisherigen erfolgreichen Aktionen und zum anderen der Mut ein Projekt, mit einem finanziellen Umfang von einer Million Mark, in ihre Hände zu nehmen. „Da eine Freie Schule in den ersten vier Jahren keine finanzielle Unterstützung vom Staat bekommt, müssen wir das Geld selbst aufbringen. Das sind je Klasse pro Jahr 100.000 Euro“, sagte Elisabeth Däbritz. Dieses Geld will der Verein durch Spenden und Sponsorengelder zusammenbringen. Stiftungen wurden ebenfalls um Unterstützung gebeten. Auch die Gemeinde Naundorf stehe voll hinter diesem Projekt, so das Vorstandsmitglied. „Der Gemeinderat befürwortet dieses Vorhaben. Wir werden die Evangelische Werkschule unterstützen, in dem wir Zuschüsse zu den Betriebskosten geben und die Gebäude kostenlos zur Nutzung zur Verfügung stellen“, sagte der Naundorfer Bürgermeister Michael Reinhardt.

Ziel sei es im nächsten Schuljahr, eine fünfte Klasse mit maximal 25 Schülern zusammen zu stellen. „An unserer Schule sollen künftig die Kinder zum Haupt- und Realschulabschluss geführt werden“, so Däbritz. Eltern, die im kommenden Schuljahr ihr Kind in diese Schule schicken wollen, sollten sich jetzt anmelden.
Noch fehle die Genehmigung für die Evangelische Werkschule. Der Antrag sei jedoch bereits an das Regionalschulamt gestellt worden. Die endgültige Zusage der Behörde komme erfahrungsgemäß erst kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, so das Vorstandsmitglied. Die Stellen für die zwei fest angestellten Lehrer sind bereits deutschlandweit angeschrieben worden. Weitere Fachlehrer werden in der ersten Zeit auf Honorarbasis angestellt.
„Das Besondere an unserer Schule ist die Verbindung von theoretischer, praktischer und musischer Ausbildung. Alles Erlernte soll im Praktischen, in Workshops und Projekten angewandt und vertieft werden“, sagte Elisabeth Däbritz. Im Unterricht soll auf individuelle Stärken und Schwächen der Schüler besonders eingangen werden. „Genauso wichtig ist für uns die Vermittlung von christlichen Werten wie Nächstenliebe, Toleranz und die Bindung an das christliche Welt- und Menschenbild. Dabei bleiben die Schüler in ihrer Haltung zum christlichen Glauben frei", so Däbritz. Eine Kirchenzugehörigkeit sei keine Vorraussetzung, um an der Evangelischen Werkschule lernen zu können.
Für kommenden Mittwoch lädt der Evangelische Schulverein zum Informationsabend ein. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Mittelschule Naundorf.

Evangelischer Werkschulverein

  • Der Verein wurde im Mai diesen Jahres gegründet und hat zurzeit 13 Mitglieder. Ziel des Vereins ist die Förderung von Bildung und Erziehung, Wissenschaft und Forschung, Jugend- und Altenhilfe. Der Verein will zu diesem Zweck eine Werkschule in Naundorf gründen und betreiben.
  • Die Freie Schule muss sich in den ersten vier Jahren ganz und danach zum Teil selbst finanzieren. Deshalb wird ein Schulgeld nach staatlichen Vorgaben von 55 Euro pro Schüler und Monat erhoben.
  • Vorsitzender des Evangelischen Werkschulvereins ist Pfarrer Hans-Jörg Rummel.
  • Der Verein ist unter Telefon 03435/9459559 zu erreichen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.evangelische-werkschule-naundorf.de


Bereicherung der Schullandschaft
Silke Herbstreit (Kämmerin der Gemeinde Ostrau): Mit der Evangelischen Werkschule in Naundorf wird die Schullandschaft in unserer Region bereichert. Wir müssen abwarten, wie sich die Schülerströme entwickeln. Letztendlich liegt die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Schule bei den Elten und Schülern.

Die Gemeinde ist für die Schule
Michael Reinhardt (Bürgermeister der Gemeinde Naundorf: Die Gemeinde ist daran interessiert, dass die Schule im Ort bleibt. Wir freuen uns, wen sich freie Träger finden, die dieses ermöglichen, wenn der Staat die Schulen schließt. Dem Verein stehen gut ausgestattete Fachkabinette und eine schöne Turnhalle zur Verfügung.

Schon lange darauf gewartet
Angelika Jurczyk (Leiterin der Mochauer Grundschule): Ich begrüße das Angebot. Eigentlich habe ich schon lange darauf gewartet. Damit wird der Anschluss zu den christlichen Grundschulen geschaffen. Dieses Angebot könnte ein echtes Problem für die staatlichen Schulen darstellen. Heute muss sich jeder dem Wettbewerb stellen.

Schule ist für uns eine Konkurrenz
Gunhild Schmidt (Vorsitzende des Fördervereins der Ostrauer Schulen): Die Schule könnte für uns eine Konkurrenz werden und uns das Wasser abgraben. Wir sind auf jeden Schüler angewiesen, um unsere Schule erhalten zu können. Grundsätzlich finde ich das Angebot einer christlichen Schule gut, da ich selbst Christin bin.

Quelle: Döbelner Allgemeine Zeitung 05.11.2005