Startseite Presse 2005 Unterricht an Mittelschule in Gottes Namen?
Unterricht an Mittelschule in Gottes Namen? Drucken E-Mail
Mittwoch, den 20. April 2005 um 01:00 Uhr

Mögliche Perspektive für Naundorf

Oschatz. Die schließungsbedrohte staatliche Mittelschule in Naundorf könnte eine Zukunft als alternative Mittelschule mit evangelischer Ausrichtung haben. Nach dem Willen des Trägervereins, der sich am 9. Mai gründen will, soll in der alternativen Mittelschule nach den Sommerferien 2006 im Namen Gottes unterrichtet werden.
Über 30 Mütter und Väter aus der Region Oschatz waren am Montagabend ins E-Werk gekommen. Jugendpfarrer Hans-Jörg Rummel hatte eingeladen und ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt - die Gründung einer alternativen Mittelschule. Wie das funktionieren kann, erklärten drei Gäste, die Erfahrungen auf diesem Gebiet haben.
„Wir sind ein kleines bisschen die Krisengewinnler", sagte Pfarrer Gerd Frey von der evangelischen Mittelschule Gaußig in der Oberlausitz. Vor sieben Jahren wurde diese Bildungseinrichtung als Alternative zu den staatlichen Schulen mit 52 Schülern gegründet und zählt heute 312 Schüler. Zwei Gottesdienste stehen pro Woche auf dem Stundenplan.

Auf so lange Erfahrungen kann Silvia Heiland, Leiterin der evangelischen Mittelschule in Gersdorf, noch nicht zurückblicken. Mit 22 Schülern startete diese einzügige Schule im vergangenen Jahr. „Bisher läuft das sehr gut", sagte sie. Problematisch ist allerdings die Finanzierung. Bis die Schule nach vier Jahren Wartefrist staatliche Zuschüsse bekommt, müssen und eine halbe Million Euro aufgebracht werden - durch das Schulgeld, Sponsoren, Spenden und das Entgegenkommen des Gebäudeeigentümers.
Mit Letzterem könnten die Initiatoren einer alternativen Mittelschule bei der Gemeinde Naundorf rechnen. „Die Mehrheit in unserem Gemeinderat ist dafür, dass wir Kontakt zu einem freien Träger für unsere Mittelschule aufnehmen", sagte Dr. Hartwig Kühler, stellvertretender Bürgermeister von Naundorf. Für Naundorf spricht nach seiner Einschätzung, dass hier eine modern ausgestattete Schule und eine große Turnhalle vorhanden sind. Zudem ist die freie Grundschule „Apfelbaum" in Schweta als Vorgängereinrichtung für die Mittelschule nicht weit von Naundorf entfernt.
Vor die Alternative einer evangelisch ausgerichteten oder einer völlig freien Mittelschule gestellt, entschied sich schließlich eine Mehrheit der anwesenden Eltern für die evangelische Ausrichtung. Elf Mütter und Väter erklären sich schriftlich bereit, als Gründungsmitglieder dem Trägerverein für die alternative Mittelschule beizutreten. „Wir streben die Gründung der Mittelschule für das Schuljahr 2006/07 an", sagte Pfarrer Rummel gegenüber OAZ.
Die Gründungsversammlung für den Trägerverein der alternativen Mittelschule findet am 9. Mai um 20 Uhr im Oschatzer E-Werk statt.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 20.04.2005