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Werkschulverein gibt Standort Naundorf auf Drucken E-Mail
Samstag, den 30. September 2006 um 01:00 Uhr

Hauptgrund ist ungünstige Lage

Naundorf. Der evangelische Werkschulverein gibt den Standort Naundorf auf. Das beschlossen die Mitglieder mehrheitlich in ihrer Mitgliederversammlung am Donnerstagabend. Damit ist das geplante Schulgründungsprojekt aber nicht vom Tisch, wie Vereinsvorsitzender Jugendpfarrer Jörg Rummel gestern gegenüber dieser Zeitung versicherte. Im Gegenteil. Die vor kurzem gegründete Evangelische gemeinnützige Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte mbH, deren Gesellschafter die Diakonie im Muldentalkreis ist, habe sich als Partner angeboten.
Der Werkschulverein hatte nach Angaben von Rummel vor den Sommerferien eine Expertise in Auftrag gegeben. Der ursprünglichen Absicht, das Projekt in der mittlerweile geschlossenen Mittelschule Naundorf zu verwirklichen, werde darin kaum Chancen eingeräumt. „Die Lage ist nicht verkehrsgünstig", nennt der Pfarrer den Hauptgrund. Er möchte sich aber bei der Gemeinde Naundorf für die hilfsbereite Unterstützung bedanken. „Uns fällt es nicht leicht, uns von dieser Variante zu verabschieden. Viele Mitglieder sind stark mit Naundorf verbunden."

Geplant sei nun, sich in Richtung Oschatz oder Ostrau zu orientieren. „Wir werden von der Kommune Ostrau mit offenen Armen empfangen und in ersten Vorgesprächen ist uns die geschlossene Mittelschule des Ortes in Aussicht gestellt worden", informiert Rummel weiter. Aber auch die Mittelschule West in Oschatz sei beispielsweise für den Verein wegen der verkehrsgünstigen Lage von Interesse. Nach weiteren Möglichkeiten in der Stadt Oschatz werde ebenso Ausschau gehalten.
Das Ziel bestehe darin, bereits im kommenden Schuljahr mit einer fünften Klasse und 25 Schülern zu starten. „Wichtig ist, dass nicht nur die Kommunen, sondern auch die Bürger und die Kirchgemeinden das Vorhaben mittragen", verdeutlicht der Vereinschef und fügt hinzu: „Wir sind nicht angetreten, um irgendwelche Schulen zu vernichten, sondern verstehen unser Vorhaben als Bereicherung der Schullandschaft." Rummel spricht von konfessioneller Ausrichtung, reformpädagogisch und mit starkem Praxisbezug. Das äußere sich nach seinen Angaben beispielsweise darin, dass es keinen normalen 45minütigen Stundenrhythmus gebe und den Schülern viel mehr Praktika sowie förderübergreifende Projektarbeit ermöglicht werde.
Da der neue Partner bundesweit agiere, verspricht sich der Werkschulverein Naundorf eine größere Akzeptanz, sichere Anstellungen für die Mitarbeiter sowie die Möglichkeit, unkomplizierter Kredite in Anspruch nehmen zu können. Bei aller Zusammenarbeit wolle der Werkschulverein trotzdem „die eigene gestalterische Tätigkeit beibehalten."
Unterdessen sitzt den Vereinsmitgliedern die Zeit im Nacken. „Wir müssen jetzt mit unseren Partnern eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit finden. Wir wissen, dass wir unter Zeitdruck stehen, können aber nichts übers Knie brechen. Es wird mindestens ein Monat benötigt, um die Standortfrage zu klären", erläuterte Rummel die weiteren Aufgaben.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 30.09.2006