Startseite Presse 2006 Aus für Werkschule Naundorf
Aus für Werkschule Naundorf Drucken E-Mail
Mittwoch, den 10. Mai 2006 um 01:00 Uhr

Die Hälfte der angemeldeten Schüler ist abgesprungen / Bedauern unter Einwohnern

Naundorf. Ende vor dem Anfang: Die Werkschule in Naundorf wird nicht zum neuen Schuljahr öffnen. Hans-Jörg Rummel, der Vorsitzende des evangelischen Werkschulvereins, hat den Antrag beim Regionalschulamt zurückgezogen. Der Grund: Von den 23 angemeldeten Schülern sind 12 abgesprungen.
„Vielleicht sind wir zu blauäugig gewesen", sagte Hans-Jörg Rummel. „Wir haben nicht erwartet, dass so viele Schüler abspringen." Gleichzeitig hätte der Vereinsvorstand gewusst, dass bei Gründungen anderer alternativer Schulen die Hälfte der angemeldeten Schüler abgesprungen sei. „Wir sind enttäuscht, aber respektieren die Entscheidung der Eltern", meinte Rummel. Nachdem ein Schüler abgemeldet worden sei, hätte der Vorstand auch bei den Eltern der anderen angemeldeten Schüler nachgehakt – und elf weitere Absagen erhalten.

Die Gründe: Ein Viertel der Kinder hätte sich fürs Gymnasium entschieden, einem Viertel sei der Weg nach Naundorf zu weit und das Schulgeld zu teuer gewesen, bei einem weiteren Viertel seien die Gründe nicht bekannt. „Das letzte Viertel waren vorrangig Mügelner. Das ist sicher den Bemühungen des Fördervereins der dortigen Mittelschule geschuldet", so Rummel. Die Folge: „Mit nur elf Kindern können wir keine Schule aufmachen." Deshalb hat der Vereinsvorsitzende den Antrag beim Regionalschulamt zurückgezogen.
Zum Aus für die geplante Werkschule wollte sich der Naundorfer Bürgermeister Michael Reinhardt gegenüber der OAZ nicht äußern. „Mir tut es um unsere Schulräume und die tolle Ausstattung leid", sagt Ursula Müller, die Leiterin der Mittelschule Naundorf, die zum Schuljahresende geschlossen wird. „Es schmerzt mich auch, denn ich hätte mir gewünscht, dass die Schüler der Werkschule all dies weiternutzen können, wenn wir schon nicht mehr gewollt werden." Der Werkschulverein wollte einen Teil des Schulgebäudes nutzen und hätte zur Auslastung der Turnhalle beigetragen. Frieder Schlicke, Vorsitzender des SV Naundorf, bedauert das Aus für die Werkschule. „Wir hoffen, dass wir trotzdem weiter die Turnhalle und den Sportplatz nutzen können", sagte er.
„Wir haben viel Hoffnung auf die Werkschule gesetzt", erklärte der Gemeinderat und Vorsitzende des Naundorfer Heimatvereins Volker Buschmann. Er sei als Naundorfer traurig und als Gemeinderat betroffen. „Es geht mir nicht nur um die leerstehenden Schulgebäude, sondern auch darum, dass im Ort ein Stück Leben wegbricht." Den Grund für das Aus sieht Buschmann in der „verfehlten Politik des Kultusministeriums". Wenn nun ein Notendurchschnitt von 2,5 ausreichen solle, um aufs Gymnasium gehen zu können, hätte dies auch Auswirkungen auf Schulen wie die Werkschule.
Dass diese nun nicht zum kommenden Schuljahr eröffnet werden soll, findet auch Beate Schurich vom Naundorfer Heimatverein „sehr bedauerlich". Sie meinte: „Wie eine Kirche gehört auch eine Schule ins Dorf." Die Werkschule wäre eine Perspektive gewesen, wenn die Mittelschule schließt – und auch das findet Beate Schurich sehr schade.
Ob der Werkschulverein das Projekt einer christlichen Mittelschule nur für das kommende Schuljahr begräbt oder sich endgültig davon verabschiedet, soll heute auf einer Mitgliederversammlung diskutiert werden. Neben der Schülerzahl sei ja auch die „trotz einiger Lichtblicke nicht gewährleistete Finanzierung", so Rummel, ein Problem gewesen. Der Vorstand werde den Vereinsmitgliedern vorschlagen, einen Experten zu holen, der ermitteln solle, ob es in den kommenden Jahren in der Region einen Bedarf für die Werkschule gebe.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 10.05.2006