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Sonntag, den 08. Januar 2006 um 01:00 Uhr

Evangelische Werkschule in Naundorf geplant

Schule Naundorf„Wir wollen keine Eliteschule sein, sondern denjenigen Förderung zuteil werden lassen, die es nötig haben.“ Damit umreißt Pfarrer Hans-Jörg Rummel das Anliegen der geplanten evangelischen Werkschule in Naundorf bei Oschatz. Er ist der Vorsitzende des Trägervereins, der mit Beginn des Schuljahres 2006/07 mit einer 5. Klasse und neuem pädagogischem Konzept die vor der Schließung stehende Naundorfer Schule weiter betreiben will. Nach seinen Worten ist das sächsische Bildungssystem zu sehr auf Auslese angelegt, werden Gymnasien bevorzugt. Die Mittelschulen würden stiefmütterlich behandelt. „Dagegen wollen wir ein Zeichen setzen“, sagt Hans-Jörg Rummel, der zugleich Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Leisnig-Oschatz ist.
In der neuen Werkschule soll deshalb das pädagogische Konzept ganz auf praktische und kreative Arbeit ausgerichtet sein. Dazu soll eng mit Firmen, kulturellen und kirchlichen Einrichtungen der Region zusammengearbeitet werden. Viele Projekte sollen die Schüler zum eigenständigen Arbeiten anleiten. Das gäbe ihnen gute Chancen bei der späteren Lehrstellensuche, weiß Hans-Jörg Rummel von anderen derartigen Schulen in Deutschland.
Viel Wert soll auch auf die Mitbestimmung durch die Schüler gelegt werden. Dazu wird es ein Schülerparlament geben. Und natürlich stehe das christliche Welt- und Menschenbild im Zentrum der Bildung. Kirchenzugehörigkeit sei jedoch keine Voraussetzung für die Aufnahme in die Schule, fügt der Vereinsvorsitzende hinzu.

Notwendig sei jedoch, dass die Eltern den Mut haben, sich auf das Wagnis einzulassen und ihre Kinder anzumelden. Denn die Zulassung bei der Schulbehörde wird erst noch beantragt, die Finanzierung muss noch gesichert werden. Ausgehend von der derzeitigen Situation, dass ein Schulträger vier Jahre lang die Kosten selbst aufbringen muss, werden 800 000 Euro benötigt. Die will der Verein durch Schulgeld (etwa 55 Euro monatlich), durch Zuschüsse von Stiftungen und vor allem durch private Spender und Sponsoren aus der Wirtschaft erhalten. Denn die Betriebe würden ja auch von derart ausgebildeten Schülern profitieren, so Rummel.
Doch erst einmal müssen genügend Anmeldungen vorliegen, 19 sind es schon. Auch Lehrer werden noch gesucht. Es ist an zwei Lehrkräfte mit einem Stellenumfang zwischen 50 und 75 Prozent gedacht, die die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik unterrichten können und dem etwas freieren pädagogischen Konzept gegenüber aufgeschlossen sind.
Eines ist schon sicher: das Schulgebäude. Die Kommune überlässt es dem neuen Träger kostenlos, trägt auch die Betriebskosten weiterhin. Denn mangels Schülerzahlen wurde hier keine neue 5. Klasse mehr eingerichtet. Die staatliche Schule wird geschlossen. Mit der evangelischen Werkschule bliebe nicht nur der Schulstandort erhalten, zugleich hätten die Kinder aus der evangelischen Grundschule im benachbarten Schweta eine weiterführende Schule.

Quelle: Der Sonntag 08.01.2006