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Fünftklässler heiß begehrt Drucken E-Mail
Donnerstag, den 15. März 2007 um 01:00 Uhr

Heiss begehrtSchulen der Region Oschatz kämpfen mit allen Mitteln um die jetzigen Grundschüler Region Oschatz (red). Am Freitag schlägt die Stunde der Wahrheit. Die künftigen Fünftklässler können sich bis zu diesem Zeitpunkt an ihrer künftigen Schule anmelden. Einige Bildungseinrichtungen werben nicht nur mit Lerninhalten, sondern auch mit Geschenken um die Neuen.
An der Oschatzer Mittelschule und am Thomas-Mann-Gymnasium wird auf die Materialschlacht um die künftigen Fünftklässler verzichtet. Grund: Als Mittelzentrum ist der Schulstandort Oschatz weniger gefährdet als die Bildungseinrichtungen auf dem Land. „Wer die Schule nur nach dem Starterpaket aussucht, dem ist die inhaltliche Gestaltung nicht wichtig", spricht sich die Leiterin des Thomas-Mann-Gymnasiums gegen Geschenke als Köder für die Fünftklässler aus. Und ihre Kollegin Karin Köhler sagt als Leiterin der Mittelschule: „Wir warten nicht mit Busgeld oder irgendwelchen Geschenken auf, sondern werben damit, was in unserer Schule geboten wird."

Die Mügelner wollen mit Blick auf die Zukunft ihrer Goethe-Mittelschule auf Nummer sicher gehen. Die Stadt übernimmt nicht nur das Busgeld für Auswärtige. Kinder, die in der fünften Klasse neu zur Mügelner Schule kommen, erhalten auch ein Starterpaket, in dem Hefte, Bücher, Zeichenutensilien und ein Taschenrechner stecken. Eine Busverbindung von Ostrau nach Mügeln wurde extra eingerichtet. „All das schließt nicht aus, dass die Inhalte wichtig sind", erklärt Schulleiter Dietmar Pörschel. „Wir haben uns schon vor einem Jahr sehr um die Grundschüler aus Ostrau, Hof und Naundorf bemüht." Bei der Finanzierung der Zusatzangebote wird die Schule laut Pörschel von zwölf Unternehmen der Region unterstützt.
„Wir sind nicht in der Lage, materielle Geschenke zu machen", sagt Hans-Jörg Rummel, der Vorsitzende des Naundorfer Werkschulvereins, der im September eine alternative Mittelschule in dem Ort starten möchte. Auch eine kostenlose Schülerbeförderung könne er nicht versprechen. „Aber wir unterstützen finanzschwache Familien bei der Schülerbeförderung und auch beim Schulgeld", betont Rummel.
Extras gibt es für Familien, die ihren Nachwuchs an der Mittelschule Wermsdorf anmelden: Die Kommune übernimmt schon seit Jahren den Elternanteil bei der Schülerbeförderung und stellt jetzt darüber hinaus jedem Fünftklässler noch ein Willkommenspaket mit Taschenrechner, Hausaufgabenheft und weiteren Kleinigkeiten zusammen. Das Geld dafür kommt aus der Gemeindekasse, sagt Wermsdorfs Hauptamtsleiter Lutz Abitzsch: „Das ist so geplant – und da gibt es auch keine Abstriche."
Ein umfangreiches Starterpaket wird auch an der Dahlener Mittelschule gepackt. Der Förderverein will jedem neuen Schüler Geschenke im Wert von 100 Euro machen. Unter anderem sollen Taschenrechner, Atlas, Tafelwerk, Arbeitshefte, Schülerduden, Wörterbuch, Speicherstick und Zeichenutensilien überreicht werden. Möglich machen es Sponsoren, die die Kosten dafür übernehmen. Die Kosten für die Busbeförderung nimmt die Stadt den Eltern ab.
Doris Alfert, Leiterin der Anne-Frank-Mittelschule Stauchitz, setzt auch mit Blick auf die künftigen Fünftklässler aus der Gemeinde Naundorf auf Mundpropaganda. Von kleinen Extras als Lockmittel hält sie gar nichts. „Wir sind ja keine Postkartenverkäufer." Die Anne-Frank-Schule hatte voriges Jahr über 40 Anmeldungen und unter Beobachtung steht sie auch nicht mehr. „Wichtig sind Informationen, Offenheit, ein gutes Klima, das zu spüren ist", nennt Doris Alfert das Erfolgsrezept. „Geschenke sind einmalig. Und auch ungerecht, wenn einige Kinder das Busgeld bezahlt kriegen, andere nicht."
„Wir wollen einen fairen Wettbewerb unter den Schulen. Deshalb würden wir uns wünschen, dass die Schulen mit ihrem pädagogischen Konzept werben", sagt Roman Schulz, Sprecher der Regionalstelle Leipzig der Sächsischen Bildungsagentur. Den Eltern künftiger Mittelschüler rät er, nicht allein auf den materiellen Standard zu schauen. Dass es bei der Schülerwerbung zum Teil unsaubere Sachen gebe, könne seine Behörde nicht beeinflussen.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 15.03.2007