Startseite Presse 2008 Ich experimentiere auch selbst gerne
Ich experimentiere auch selbst gerne Drucken E-Mail
Donnerstag, den 14. August 2008 um 01:00 Uhr

Frank Tomschin ist neuer Leiter der Evangelischen Werkschule Naundorf - und richtet zurzeit das Physikkabinett her

Schulleiter Frank TomschinDie Arbeit eines Schulleiters sieht für gewöhnlich anders aus: Frank Tomschin steht im Physikkabinett der ehemaligen Mittelschule Naundorf und räumt und putzt. Drei Jahre lang wurden die Geräte nicht genutzt, entsprechend eingestaubt sind sie. Künftig will der neue Schulleiter der Evangelischen Werkschule und Lehrer für Mathe, Physik und Informatik die Sechstklässler dort unterrichten - und neben den Geräten auch die Regale und Schubladen weiternutzen. „Die müssen die ehemaligen Physiklehrer selbst gebaut haben, man sieht hier, wie sie sich für ihre Schule engagiert haben", meint er.
Seit Beginn des Monats ist Tomschin in den Räumen zu Gange, meist zwölf Stunden am Tag, damit neben dem Physikkabinett zum Beispiel auch der Computerraum fertig ist, wenn das Schuljahr übernächste Woche beginnt.

Der 47-Jährige ist nicht nur neu in der Werkschule, sondern auch in der Region. 25 Jahre lang hat der gebürtige Thüringer an der Sekundarschule in Droyßig im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) unterrichtet. Aus privaten Gründen - seine neue Partnerin, eine Pastorin, lebt in Dresden - zog es ihn nach Sachsen. Über sie erfuhr er auch von der Werkschule und davon, dass dort Lehrer gesucht werden. Darauf fuhr er in Naundorf vorbei, schaute sich eine Mathestunde an - und unterrichtete spontan eine Weile. „Die Kinder hatten leuchtende Augen und waren wissbegierig. Es hat sofort Spaß gemacht", sagt er.
Beim Bewerbungsgespräch bei der Evangelischen gemeinnützigen Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte wurde ihm dann auch die Leitung der Schule angeboten. „Das ist etwas Neues für mich, aber darauf freue ich mich auch", sagt Tomschin.
Im Unterricht ist ihm der Praxisbezug wichtig. „Ich experimentiere auch selbst gerne. Schon in Droyßig habe ich mehr Experimente als nötig gemacht", sagt er mit Blick auf die Physikstunden. Die Theorie habe er stets um die Experimente herum erklärt. Auch Mathe vermittele er möglichst oft anhand von Beispielen aus der Praxis von Betrieben. Die Zusammenarbeit mit diesen – unter anderem in Form des Praxistages für die älteren Schüler - hat für ihn ebenfalls Bedeutung.
Kontakte zu Betrieben der Region muss er noch knüpfen, zu Vertretern von Gemeinde und Ort ebenfalls. Die meisten Eltern und Lehrer sowie einige Mitglieder des Werkschulvereins hat Tomschin bereits kennen gelernt. Sein Eindruck nach knapp zwei Wochen ist positiv. Er schwärmt von der Hausgemeinschaft in Niedergoseln, wo er eine Wohnung gefunden hat, dem Engagement der ABM-Kräfte in der Schule und der Hilfsbereitschaft der Menschen in der Gemeinde. Ein Beispiel hat Tomschin besonders beeindruckt: „Frank Claus, ein Tischler aus Salbitz, lackiert und schleift uns unentgeltlich die Tischplatten für den Computerraum ab und holt und bringt sie sogar. Das freut mich unheimlich", berichtet er.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 14.08.2008
Foto: Dirk Hunger