Startseite Presse 2009 Der Plan war anders
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Mittwoch, den 19. August 2009 um 12:09 Uhr

Ruth Möbius ist die neue Schulleiterin an der evangelischen Werkschule Naundorf

Ruth Möbius stellt sich in der evangelischen Werkschule Naundorf der Herausforderung als Schulleiterin. Bereits nach den ersten Schultagen fühlt sie sich integriert und setzt auf ein gutes Zusammenspiel zwischen Kindern, Lehrern und Eltern.Der Plan war anders: Sie hatte sich darauf eingestellt, dieses Schuljahr als Lehrerin zu beginnen. Kurz vorher klingelte bei Ruth Möbius das Telefon: „Wollen Sie als Leiterin bei uns anfangen? Wir können uns das gut vorstellen“, so die Anfrage vom Trägerverein der evangelischen Werkschule in Naundorf. Die Collmerin dachte kurz nach – und sagte zu. Vor allem das Konzept habe sie überzeugt, sie will auch zwei Projekte fortführen. In Vieles müsse sie sich aber noch einarbeiten.
„Es ist eine große Verantwortung, deshalb musste ich mir das durch den Kopf gehen lassen“, so Möbius. Aber sie sagt auch: „Es ist eine Herausforderung, und ich wollte was Neues machen. So alt bin ich ja nun auch nicht.“ Ihr Alter, das verrät sie jedoch nicht. Und verrät dabei auch etwas über sich: Sie hat klare Ansichten, weiß, was sie will und was nicht. Sie kann Grenzen aufzeigen.

Auch als Pädagogin eine wichtige Eigenschaft. Möbius unterrichtet das Fach WTH (Wirtschaft, Technik, Haushalt-Soziales). „Klar, habe ich es jetzt eher mit der pubertären Phase zu tun, aber darauf stelle ich mich ein.“ Viele Jahre arbeitete sie zuvor in der Region mit Jugendlichen in der Berufsvorbereitung und Ausbildung, brachte so genannte Benachteiligte auf den Arbeitsmarkt. „Aber ich bin keine sehr strenge Lehrerin. Wichtig ist mir, dass Kinder selbst Erfahrungen machen und sich ausprobieren. Wenn sie zu sehr abschweifen, führe ich sie aber auch wieder zurück zum Unterricht“, sagt Möbius. Sie fühle sich nach den ersten Schultagen integriert. „Die Chemie stimmt. Ich wurde gut angenommen, auch von den Eltern.“ Denn im Gegensatz zu ihrem früheren Aufgabenfeld ist nun nicht nur die Zusammenarbeit mit den Schülern wichtig, sondern das Gesamtzusammenspiel zwischen Kindern, Lehrern und Eltern. Hinzu kommt der Kontakt mit den Behörden, bei Fördermittelanträgen beispielsweise. „Ich werde mich da einarbeiten, außerdem bekomme ich viel Unterstützung.“
Möbius hat sich oft neu eingearbeitet, auf neue Anforderungen reagiert und reagiert vor allem flexibel auf neue Situationen. Sie ist gebürtige Bitterfelderin, durch ihren heutigen Mann ließ sie sich in der Region nieder. Schon früh war ihr klar: „Entweder arbeite ich mit Tieren oder mit Menschen.“ Sie entschied sich zunächst für die Landwirtschaft und absolvierte eine Ausbildung in der Schweineproduktion, später wurde sie Berufschullehrerin für Landwirtschaft. „Bis zur Wende, dann gab es die Schule nicht mehr, und ich habe einen Abschluss in Hauswirtschaft gemacht.“
Die evangelische Werkschule war Möbius bereits bekannt. „Ich hatte das in der Zeitung verfolgt, dieses Wachsen und Werden. Günstig war, dass ich ein Fach abdecke, das ab der 7. Klasse unterrichtet wird“, sagt sie. Deshalb bewarb sie sich, aber voraus ging die drohende Kündigung. „Weil wir als Bildungsträger den Zuschlag für die Hauswirtschaft nicht bekommen haben.“ Zehn Jahre war sie Ausbilderin für Hauswirtschaft bei der Einrichtung Arbeit und Bildung in Torgau. Davor hatte Möbius bei diversen anderen Bildungsträgern in der Region Grimma und Oschatz gearbeitet. „Seit 1993 bin ich in der Benachteiligten-Förderung. Ich wollte Jugendliche ausbilden, damit sie auf dem Markt eine Chance haben. Das ist nicht immer einfach, aber wenn man da einen Jugendlichen erreicht hat, war das schon toll.“
Die Schüler erreichen und sich über Ergebnisse freuen, sozusagen die Frucht ihrer Arbeit, das ist auch die Motivation an der Naundorfer Schule. Möbius schätzt deren Konzept: „Der theoretische Unterricht wird mit Praxis untersetzt. Es ist für Kinder wesentlich interessanter, wenn sie die Erfahrung selbst machen und aus Fehlern lernen statt durch theoretische Belehrungen. So prägt sich das Gelernte besser ein“, sagt Möbius. Seit 2007 existiert die Einrichtung. Derzeit hat die Werkschule die Klassenstufen 5, 6, und 7. In diesem Jahr haben sechs neue Lehrer ihren Dienst begonnen, insgesamt unterrichten inklusive Honorarkräften 13 Lehrer.
Durch ihre Erfahrung weiß Möbius auch, wie wichtig die Berufsorientierung ist. Deshalb will sie einen Werkstatt-Tag spätestens im zweiten Halbjahr umsetzen. Einmal wöchentlich werden Schüler dann ab den 7. Klassen in Betrieben arbeiten und sich orientieren, wo es mal hingehen soll. „Und wenn es nur so ist, dass sie danach sagen können, diesen Beruf doch nicht machen zu wollen. Besser, als nach ein paar Wochen die Ausbildung abzubrechen.“ Wichtig sei, dass sich die Kinder gebraucht fühlen und sich in verschiedenen Bereichen ausprobieren.
Als zweites Anliegen will Möbius das Grüne Klassenzimmer weiter ausbauen. Fächerübergreifend können hier Biologie und auch Kunst integriert werden. Jetzt steht zunächst das Theaterprojekt für Weihnachten an. „Diese Arbeit in verschiedenen Gruppen, aber auch Lehrmethoden wie Rollenspiele bringen Kindern unheimlich viel. Sie können sich hier ausprobieren.“ Und eigentlich auch Möbius selbst, die mit neuen Konzepten ansprechenden Unterricht gestalten will.
Quelle: Oschatzer Allgemeine 19.08.2008

Text: Lisa Garn
Foto: Sven Bartsch