Startseite Presse 2009 Der kleine Stern fragt: Darf ich nochmal fliegen?
Der kleine Stern fragt: Darf ich nochmal fliegen? Drucken E-Mail
Mittwoch, den 16. Dezember 2009 um 07:23 Uhr

Märchenmusical „Die Welt der kleinen Wunder“ mit mehr als 50 mitwirkenden Kindern der evangelischen Werkschule in der Turnhalle Naundorf

Die Schülerinnen und Schüler der evangelischen Werkschule Naundorf in ihren Kostümen auf der Bühne in der Naundorfer Turnhalle: Dort führten sie gestern zweimal das Musical „Die Welt der kleinen Wunder“ von Torsten Böhner auf. Darin geht es vor allem darum, das Kind im Inneren zu bewahren.Sogar in den Umbaupausen herrscht reges Gewusel und Getuschel in der Naundorfer Turnhalle. Kostümierte Kinder schieben Requisiten beiseite oder wechseln die auf große Tücher gemalten Bühnenbilder, andere ziehen sich hinter den Kulissen um oder assistieren den Mitschülern bei Ton und Beleuchtung. Jeder der 53 Akteure hat an diesem Vormittag immer etwas zu tun. Zeit zum Verschnaufen bleibt da kaum. Lehrer, Erzieher und Kinder der umliegenden Kindereinrichtungen und Grundschulen gingen gestern mit auf die Reise in die „Welt der kleinen Wunder“. So heißt das musikalische Märchen, das die Jungen und Mädchen der evangelischen Werkschule vormittags aufführten. Eine zweite Vorstellung am frühen Abend fand für Eltern, Sponsoren und interessierte Bürger statt. Die Geschichte von Damarus, der eine Fehde mit dem Nachbardorf wieder aufleben lässt, und Alina, die mit ihm gemeinsam in die Welt der kleinen Wunder reist, birgt für Kinder und Erwachsene gleichermaßen etwas, meint die Leiterin der Werkschule Ruth Möbius. „Während die Kleinen zusammen beweisen können, dass sie diszipliniert an einer Aufgabe arbeiten, wird den Großen bewusst, dass es sich immer lohnt, das Kind im Inneren zu bewahren. Unsereins neigt zum Dramatisieren und geht nicht so unvoreingenommen an Probleme heran wie die Kinder“, sagt sie. In der Welt der kleinen Wunder kennen die Einwohner, allesamt Kinder, keine Zeit. Damarus wird dort mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, die er schon vergessen hatte. Die Rückbesinnung auf kindliche Freuden bringt ihn schließlich vom Krieg führen ab.

Das Theaterstück haben die 25 Darsteller und nochmal so viele Helfer seit Schuljahresbeginn geprobt. Unter der Führung von Jaqueline Jentzsch entstand ein 90-minütiges, buntes und detailreiches Musical. Die freischaffende Theaterpädagogin erlaubte den Kindern bewusst Abweichungen vom Orginaltext. „Sie sollen vollkommen zwangfrei agieren und viel von ihrer Persönlichkeit auf der Bühne mit einbringen“, begründet die Döbelnerin diesen Schritt. Neben Alina und Damarus agieren
im Stück viele muntere Nebenfiguren. Heimliche Heldin des Stücks ist Carmen Schneider aus Klingenhain. Sie mimt den kleinen Stern, der den Menschen immer dann, wenn er vom Himmel fällt, einen Wunsch erfüllt. „Darf ich nochmal fliegen?“, fragt die Zehnjährige begeistert, als die Premiere vorüber ist. Das Mädchen war für ihren Flug an einer Leine befestigt über die Bühne gezogen worden. Andere Darsteller wie Juliane König schlüpften gleich in mehrere Rollen. „Das war Klasse, in jeder Rolle konnte ich mich ein bisschen anders austoben. Nur das Umziehen war anstrengend“, so die elfjährige Hoferin. Da ist es schnell verziehen, dass bei der Premiere auch der ein oder andere Dialog improvisiert wurde. Denn die Generalprobe am Montag musste aus technischen Gründen abgebrochen werden.

Schulleiterin Ruth Möbius sieht in dem gelungenen Märchenstück auch den fächerverbindenden Unterricht erfolgreich umgesetzt, denn es wurden etwa die Kulissen im Kunstunterricht hergestellt und die Einladungen von Schülern am Computer entworfen. Das Stück wurde zwar mit Hilfe der Lehrer auf den Weg gebracht. Die Aufführung obliegt jedoch ausschließlich den Kindern. „Sie lernen dadurch auf spielerische Weise mehr Verantwortung zu übernehmen. Ganz nebenbei fördern wir vielleicht noch das ein oder andere Talent unter den Darstellern“, hofft Möbius. Für Jaqueline Jentzsch ist es die zweite Zusammenarbeit mit den Kindern. Sie freut sich, dieses Mal direkt mit ihnen etwas gestalten zu können. Beim ersten Mal hatte die Döbelnerin nur beratende Funktion beim Entwurf der Texte für ein vorangegangenes Theaterprojekt.

Bildunterschrift: Die Schülerinnen und Schüler der evangelischen Werkschule Naundorf in ihren Kostümen auf der Bühne in der Naundorfer Turnhalle: Dort führten sie gestern zweimal das Musical „Die Welt der kleinen Wunder“ von Torsten Böhner auf. Darin geht es vor allem darum, das Kind im Inneren zu bewahren. Foto: Sven Bartsch

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 16.12.2009