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Dienstag, den 10. Februar 2009 um 01:00 Uhr

Ute Wetzig vom Träger der Werkschule Naundorf über Antrag auf staatliche Anerkennung

Naundorf. Das dritte Halbjahr an der Evangelischen Werkschule Naundorf ist zu Ende. Damit nähert sich die Zeit, in der der Antrag auf staatliche Anerkennung gestellt werden kann. Darüber spricht Ute Wetzig, Koordinatorin bei der Evangelischen gemeinnützigen Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte in Grimma, dem Träger der Werkschule, im Interview.

Frage: Wann wollen Sie den Antrag auf staatliche Anerkennung stellen?
Ute Wetzig: Wir wollen Ende des Schuljahres 2009/2010 staatlich anerkannt sein. Anfang kommenden Schuljahres können wir den Antrag stellen.

Worauf kommt es beim Antrag an?
Wir müssen zum Beispiel die Entwicklung der Schülerzahl aufzeigen und darlegen, dass wir in der Öffentlichkeit angenommen werden.

Wie bewerten Sie die Entwicklung der Schülerzahl?
Ich sehe die Entwicklung der Schülerzahl sehr positiv. Wir haben jetzt eine Klasse mit elf und eine neue fünfte Klasse mit 20 Schülern. Für das kommende Schuljahr haben wir bereits 15 Anmeldungen. Das ist sehr erfreulich und entspricht meinen Erfahrungen mit anderen Schugründungen.

Welche Hürden müssen Sie bis zur Antragstellung noch nehmen?
Die Besetzung der Unterrichtsfächer mit Lehrkräften. Wir haben zurzeit neun Lehrkräfte, davon drei Festangestellte. Für das kommende Schuljahr sind zwei weitere Festanstellungen geplant. Wir benötigen einen weiteren Klassenlehrer und eine Fachkraft für den Praxistag, den wir dann jeden Freitag durchführen wollen. Unser Hauptschwerpunkt wird sein, ihn mit Leben zu füllen. Denn nun geht es darum, die Konzeption, die wir theoretisch erarbeitet haben, praktisch umzusetzen.

Welches sind die Schwierigkeiten bei beiden Vorhaben?
Die Lehrergewinnung ist bei freien Schulen allgemein ein Problem. Aber mit jedem Jahr, das es uns gibt, wird dies einfacher. Unsere Konzeption so umzusetzen, dass dies unseren selbst gestellten Anforderungen genügt, ist ebenfalls eine Herausforderung. Denn wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass bei uns anders gelernt wird und auch die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern anders ist.

Wie steht es um die Finanzierung?
Die ersten drei Jahre finanzieren wir uns selbst, dafür haben wir einen Kredit aufgenommen. Wir brauchen aber danach staatliche Unterstützung und eine Schülerzahl von 23 Kindern pro Klasse. Ohne Spenden und das Engagement Ehrenamtlicher wird es aber nie gehen.

Ist die staatliche Anerkennung nur wegen der staatlichen Zuschüsse wichtig, die es dann gibt?
Nein. Die Finanzierung ist das eine, das andere ist, dass die Kinder in der zehnten Klasse bei uns die Abschlussprüfungen ablegen können und nicht fremdgeprüft werden müssen.

Welches ist der nächste Schritt?
Für den März ist ein Besuch unseres Ansprechpartners bei der Agentur für Bildung in der Werkschule geplant. Das ist freiwillig, mir aber wichtig, um bereits frühzeitig vor der Antragstellung eine Rückmeldung zu bekommen.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung über die Anerkennung?
Ich rechne damit, dass das Verfahren ein Jahr dauert. Wenn wir kurz vor Ende des Schuljahres 2009/2010 den Bescheid hätten, wären wir spitze.

Wie werten Sie die Chancen für die staatliche Anerkennung?
Die Anerkennung gelingt. Da bin ich zuversichtlich. Dass bei einem Projekt wie diesem Steine im Weg liegen, ist normal.

Seit August 2007 darf die Gemeinde eine private Schule, die anstelle einer staatlichen eröffnet wurde, nicht durch Mieterlass oder Finanzierung der Betriebskosten unterstützen. Sonst verlängert sich Wartezeit. Sehen sie da Gefahren?
Nein. Wir haben das von vornherein ausgeschlossen, indem wir die Betriebskosten und die Miete selbst zahlen. Auch für die Nutzung unter anderem der Karten, Stühle und Bänke zahlen wir, damit wir nicht riskieren, dass die Wartezeit verlängert wird.

Wie unterstützt die Gemeinde Naundorf die Werkschule trotzdem?
Die Gemeinde unterstützt uns, indem sie angemessen Instandhaltungsmaßnahmen am Gebäude durchführt. Irgendwann muss das Gebäude energetisch saniert und ein zweiter Rettungsweg gebaut werden. Da werden wir mit der Kommune sicher zusammenkommen. Aber zuerst muss die Schule auf stabilen Füßen stehen und staatlich anerkannt sein.

Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 10.02.2009