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Donnerstag, den 02. April 2009 um 15:30 Uhr

Evangelische Schulen sind beliebt und stehen in einem harten Wettbewerb - um Lehrer und um Schüler.

Die Evangelische Mittelschule im erzgebirgischen Großrückerswalde platzt aus allen Nähten. Die Lehrer mussten mit ihrem Dienstzimmer schon unter das Dach ziehen, um Platz zu schaffen für die heute 395 Schüler. „Viele Eltern und Schüler entscheiden sich sehr bewusst für unser christliches Profil“, sagt Direktor Christfried Siegert. Im vergangenen Jahr nahm die 1996 gegründete Schule erstmals vier fünfte Klassen mit insgesamt 100 Kindern auf. Auf den hellen Gängen mit dem Holzparkett und den orangenen Türen drängen sich nun in den Pausen die Schüler.
Manch einer befürchtet, dass sich im Erzgebirgskreis demnächst auch die Schulen drängen werden. Denn in Annaberg-Buchholz plant der Schulverein Evangelisches Euro -Gymnasium Erzgebirge ab Sommer 2009 eine eigene Mittelschule. Und das liegt an der gestiegenen Konkurrenz unter den Bildungseinrichtungen. Weil in Annabergs Nachbarstadt Thum ein Verein das geschlossene Gymnasium wieder eröffnet hat, findet das Evangelische Gymnasium in der Kreisstadt nicht mehr genug Schüler.

„Wir müssen hohe Kredite abzahlen und deshalb das Haus auslasten“, sagt Wolfram Günther, Geschäftsführer des Schulvereins Evangelisches Euro-Gymnasium Erzgebirge. „Gelingt uns das nicht, ist möglicherweise unsere Existenz gefährdet.“ Die Eröffnung einer eigenen Mittelschule soll der Rettungsanker für den evangelischen Schulverein sein.
Fast ein Viertel der Mittelschulen im Erzgebirgskreis sind nicht staatlich, sondern befinden sich in freier Trägerschaft. Nun sorgen sich die vorhandenen Mittelschulen wegen der evangelischen Neugründung um ihre Auslastung. „Der Fortbestand einer der beiden staatlichen Mittelschulen der Stadt Annaberg-Buchholz könnte gefährdet sein“, sagt Andreas Stark, Beigeordneter für Schulen im Erzgebirgskreis. Er verweist auf die stetig sinkenden Schülerzahlen - und auf die Schwierigkeit, genaue Prognosen zu erstellen. Die evangelischen Schulen in Sachsen müssten sich davor nicht fürchten, meint Eva Berger, Vorstand der Schulstiftung der sächsischen Landeskirche. „Unsere Schulen haben einen ausgesprochen guten Zulauf. Denn immer mehr Eltern sehen aufmerksam auf die Konzepte der Schulen.“
Ein anderes Problem dagegen quält viele der 25 Grundschulen, elf Mittelschulen und fünf Gymnasien in evangelischer Trägerschaft schon jetzt: Der Mangel an Lehrern. Seit westliche Bundesländer aggressiv um den sächsischen Lehrernachwuchs werben, kennen auch staatliche Schulen diese Sorge. „Unsere Schulen haben es da noch schwerer, denn viele bezahlen etwas niedrigere Löhne als die staatlichen Schulen, und sie können nicht das staatliche Versorgungsnetz bieten“, erklärt Eva Berger. „Unser Anspruch, in evangelischen Schulen möglichst nur Christen als Lehrer zu beschäftigen, ist da nur schwer zu verwirklichen.“
Annett Franzke, die Leiterin der evangelischen Trinitatis-Schule in Riesa, weiß das. „Die Personalsituation ist kritisch“, sagt sie. Die Stadt Riesa hätte es gern, wenn die evangelische Grundschule in Zukunft drei statt zwei neue erste Klassen aufnähme. Interessierte Eltern und Schüler gibt es genug. Es fehlen nur die Lehrer.

Quelle: Der Sonntag vom 08.03.2009