Startseite Presse 2012 Wie ein chinesisches Legespiel: Die andere Art des Lernens
Wie ein chinesisches Legespiel: Die andere Art des Lernens Drucken E-Mail
Montag, den 23. Januar 2012 um 18:31 Uhr

Tag der offenen Tür an der Freien Evangelischen Werkschule in Naundorf bietet Einblicke für Eltern und künftige Fünftklässler

Steffen Hartmann (rechts) sägt und feilt mit den Kindern und Jugendlichen in der Holzwerkstatt. Dort entstehen unter anderem Schachbretter.Beim Tag der offenen Tür der Evangelischen Werkschule Naundorf konnten Besucher in der Holzwerkstatt ein Tangram aus Sperrholz herstellen. Dieses chinesische Legespiel besteht aus sieben geometrischen Formen, die zusammen ein Quadrat ergeben. Aber auch viele weitere Figuren kann man damit legen. Wie das Tangram, so funktioniert auch der Alltag an der Freien Mittelschule: Die Schülerinnen und Schüler bestimmen selbst den Weg, der sie zum Lernerfolg führt. Am Ende steht, wie in jeder anderen Schule auch, der Test, die Kontrolle des Lehrers. Nur der Weg dorthin ist ein anderer. Über "die andere Schule" informierten sich am Sonnabend Eltern mit ihren Kindern, den künftigen Fünftklässlern. Und zwar so viele, das die Parkfläche an der Schule schon kurz nach Beginn nicht mehr ausreichte.

Matthias Gruhle aus Roda bei Mutzschen ist einer der Familienväter. Er und sein Sohn Arno kennen die staatlich anerkannte Mittelschule bereits von zwei der regelmäßig stattfindenden Werkschultage. "Arno hat die Wahl zwischen der Mittelschule in Böhlen, der Mittelschule Wermsdorf und der Werkschule. Wenn es die Bildungsempfehlung zulässt, käme auch das Grimmaer Gymnasium in Frage", sagt der Vater des Neunjährigen. Er schätzt an der Werkschule vor allem das Miteinander lernen in altersgemischten Gruppen, die Möglichkeit des gleichberechtigten Abschlusses nach der 10. Klasse sowie die praktische Orientierung. Letzteres begeistert auch den Sohnemann. "Die Werkstatt hier gefällt mir. Zu Hause helfe ich Papa auch immer beim Werkeln", erzählt der Junge.

Im Fachkabinett für den Chemieunterricht erleben die Besucher, was man mit Gummibärchen im Reagenzglas so alles anstellen kann.Anpacken und Ausprobieren, dass konnten die Besucher nicht nur bei Lernbegleiter und Tischler Steffen Hartmann in der Holzwerkstatt, unter dessen Anleitung Tangram, Schachbretter, Spiele und andere nützliche Dinge entstanden. Im Chemiekabinett der Schule war es unter anderem möglich, Wunderkerzen herzustellen, oder mit Gummitieren zu experimentieren hier unter Anleitung der Schüler höherer Klassenstufen.

In der Schulcafeteria erwartete die vom vielen Erkunden hungrigen Besucher von Eltern selbst gebackener Kuchen und Kaffee sowie Suppe, die draußen über dem offenem Feuer von einem engagierten Vater zubereitet wurde. "Jeder kann hier so viel essen und trinken wie er möchte und dann auch nach Belieben dafür zahlen. Diese Spenden kommen der neuen Ausstattung des Speiseraums zugute", erklärte Gabriele Schneider vom Vorstand des Evangelischen Werkschulvereins.

Wie von Schulleiterin Ruth Möbius zu erfahren war, ist Anmeldeschluss Anfang März. "Nach den Winterferien, wenn die Bildungsempfehlungen herausgegeben werden, können die Eltern entscheiden, ob ihr Sohn oder ihre Tochter künftig an unserer Schule lernt."

Text:Christian Kunze
Fotos:Dirk Hunger
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 23.01.2012