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Hiobsbotschaft für Werkschule Drucken E-Mail
Dienstag, den 16. April 2013 um 00:00 Uhr

Träger zieht sich aus wirtschaftlichen Gründen zurück / Förderverein kämpft um Fortbestand

Naundorf. Hiobsbotschaft für die Evangelische Werkschule: Die Evangelische gemeinnützige Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte (EBS) beabsichtigt, die Trägerschaft für die Einrichtung zum Schuljahresende aufzugeben. Der Träger begründet die Entscheidung mit der geringen Auslastung und finanziellen Schwierigkeiten. Der Werkschulverein kämpft um die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs in Zukunft.

Geht es nach der EBS, endet am 31. Juli der Betrieb in der staatlich anerkannten Mittelschule in Naundorf. "Als Träger sind wir nicht mehr in der Lage, die Schule weiter am Leben zu erhalten", teilte Geschäftsführer Harald Bieling mit und ergänzt: "Die unausweichliche Entscheidung, die Schule zu schließen, ist uns außerordentlich schwer gefallen". Zurzeit lernen in Naundorf 77 Kinder und Jugendliche aus mehreren Landkreisen. Dies entspräche einer Auslastung von 67 Prozent. "Der Trend ist trotz des hohen Engagements aller Beteiligten vor Ort seit Jahren rückläufig. Ein annähernd wirtschaftlicher Schulbetrieb ist langfristig nicht möglich", so Bieling.

Weitere ausschlaggebende Fakten: Für das Schuljahr 2013/2014 haben sich neun Kinder für die 5. Klasse angemeldet. Durch den Weggang von 14 Absolventen in diesem Jahr sinkt die Schülerzahl weiter. Zudem ist das Schulgebäude dringend überholungsbedürftig. Trotz der Mietzahlungen von rund 150 000 Euro in den zurückliegenden sechs Jahren durch die EBS sei die Gemeinde Naundorf nicht in der Lage, als Eigentümerin eine grundhafte Sanierung des Gebäudes zu finanzieren. Allein um das kommende Schuljahr abzusichern, müsste der Schulträger ein Darlehen zwischen 90000 und 100000 Euro aufnehmen. Dazu sehe man sich derzeit nicht im Stande. "Die politischen Rahmenbedingungen für freie Schulen in Sachsen wurden schwieriger und verschärften die Finanz-Situation", betont Bieling. Der Träger wolle gemeinsam mit der Schulleitung die Eltern beraten und bei der Suche nach einer Bildungseinrichtung für das neue Schuljahr unterstützen, kündigte der Geschäftsführer an.

Der Werkschulverein, das Schulpersonal, Schüler und die Eltern wurden Ende vergangener Woche von der EBS über die Entscheidung informiert. "Wir hatten keine Chance, alle ins Boot zu holen und das finanzielle Dilemma gemeinsam anzugehen", sagt die Vereinsvorsitzende Uta Riese. Sie erklärte, dass die Absicht des Trägers nicht die Einstellung des Schulbetriebs bedeuten soll. Heute Abend treffen sich Vereinsmitglieder, Eltern, Vertreter des Trägers und der Schulleitung, um intern über den Fortbestand der Schule zu beraten. Mit Unterstützung der Eltern und weiterer Partner soll es gelingen, die Schließung zum 31. Juli zu verhindern. "Wir bemühen uns, die vom Träger genannten Kosten für das Darlehen aufzubringen. Diese Frist ist nicht endgültig", so Riese. Parallel wolle man sich um einen neuen Träger bemühen, so Riese. Sollten sich im Zuge der Zusammenkunft "dauerhafte und belastbare" Lösungsvorschläge ergeben, sei man zu einem Gespräch mit dem Vorstand bereit, signalisierte EBS-Sprecherin Cornelia Killisch auf Nachfrage. Ansonsten sei die Schule aus wirtschaftlicher Sicht nicht weiterführbar.

Die Evangelische Werkschule Naundorf wurde im Jahr 2007 gestartet. Das Besondere an der staatlich anerkannten Mittelschule sind hoher Praxisbezug, die Orientierung an christlichen Werten, selbst bestimmtes Lernen in jahrgangsgemischten Gruppen und die individuelle Förderung. In diesem Sommer absolviert der erste Jahrgang seine Abschlussprüfungen.

Text: Christian Kunze
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 16.04.2013