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Donnerstag, den 18. April 2013 um 20:28 Uhr

Naundorf: Werkschulverein plant Weiterführung des Schulbetriebs in eigener Trägerschaft

Naundorf. Die Evangelische Werkschule soll eine Zukunft haben - darauf einigten sich Eltern, Schulverein und andere Unterstützer. Ziel ist die eigenständige Finanzierung eines weiteren Schuljahres - und mittelfristig eine Übernahme der Trägerschaft durch den Werkschulverein. Der bisherige Schulträger aus Grimma zieht sich unter anderem aus finanziellen Gründen zurück.

Vereinsmitglieder, Eltern und Lehrer haben in einer Krisensitzung deutlich gemacht, dass zuerst die fehlenden 100 000 Euro für den Schulbetrieb des kommenden Jahres aufzubringen sind. "An zweiter Stelle steht der Plan, die Verantwortung für die Schule als Verein zu übernehmen", erklärte die Sprecherin des Werkschulvereins, Gabriele Schneider. Soll heißen: Der Schulbetrieb wird in Vereinsträgerschaft fortgesetzt. "Wir haben Fehler gemacht, uns zurückgelehnt, trotz allem Eifer der Unterstützung", räumte Schneider ein. Ziel weiterer Zusammenkünfte müsse es sein, das Vorhaben juristisch, finanziell und transparent zu planen. Dazu gehöre der Dialog mit der Schulaufsicht, um parallel den weiteren Unterrichtsbesuch der Kinder zu sichern. Die Bereitschaft vieler Eltern, im Verein mitzuarbeiten, sei wichtig, um die Aufgaben auf vielen Schultern zu verteilen. "Denkbar wäre auch eine Neuwahl des bestehenden Vereinsvorstandes", so Schneider.

Volker Schmidt vom Vorstand der Evangelischen Schulstiftung in Sachsen nahm ebenfalls an der Diskussion teil. "Der Träger hat die Flinte ins Korn geworfen. Wir können den Verein nun lediglich beratend unterstützen." Spenden aus dem Stiftungsvermögen seien möglich, aber nur in geringem Maß. Schule sei kein Raum für Experimente. Sinnvoll ist aus seiner Sicht eine Gegenüberstellung dessen, was für und gegen eine Weiterführung des Schulbetriebs in Naundorf spricht. "Ohne Sicherung des Schülerpotenzials haben finanzielle Bemühungen kaum Aussicht auf Erfolg", so Schmidt. Vielleicht müsse auch das bisherige Schulkonzept überdacht werden.

Ines Leidel hat ihren Sohn, der die 4. Klasse der Schlossschule Hof besucht, für das kommende Schuljahr in der Werkschule angemeldet. "Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich von der Entscheidung erfuhr", sagte sie. Für die Naundorferin steht eine Mitgliedschaft im Schulverein außer Frage, um die Probleme zu bewältigen. Die Mutter dreier Kinder bezweifelt jedoch, dass die Schule allein durch die Eltern aufrecht erhalten werden kann. "Wenn der Verein das stemmen will, müssen darin noch mehr Menschen vereint sein, die helfen, all die Gründe auszumerzen, die der Träger für seine Entscheidung angeführt hat." Leidel wolle im Gemeinderat künftig Bindeglied zu Verein und Schule sein. Sie plädiert für die Schule im Ort, konfessionelle Einstellungen seien zweitrangig. "Ich habe mit Freude festgestellt, dass das für das Team der Werkschule auch nie Voraussetzung war."

"Ich würde mir sehr wünschen, dass es die Evangelische Werkschule weiterhin gibt und halte es für sehr wichtig, dass solch ein Angebot in der Region bestehen bleibt", sagt Stefanie Schwaiger, Vorsitzende des Evangelischen Schulvereins Apfelbaum Schweta. "Für uns als Grundschule und auch für unsere Eltern ist es schön, wenn es Alternativmöglichkeiten gibt. Es wäre ein Verlust, wenn die Schule schließen müsste", so Schwaiger. Der bisherige Schulträger, die Evangelische gemeinnützige Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte, zog sich aus finanziellen Gründen zurück.

Spendenkonto; Volksbank Riesa, Kontonummer: 47069602, BLZ: 85094984, Verwendungszweck "Aufbruch Schule"

Text: Christian Kunze/Heinz Großnick
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 18.04.2013