Startseite Presse 2013 Lesermeinung - Werkschule Naundorf: "Experimente sind Voraussetzung für Entwicklung"
Lesermeinung - Werkschule Naundorf: "Experimente sind Voraussetzung für Entwicklung" Drucken E-Mail
Dienstag, den 23. April 2013 um 19:05 Uhr

Zum OAZ-Beitrag "Kein Raum für Experimente", vom 18. April 2013, Seite 14:

In den letzten Tagen wurde viel über die Evangelische Werkschule berichtet. Über einem Artikel prangte die Überschrift: "Kein Raum für Experimente". So exklusiv in Szene gesetzt, entwickelt die Überschrift eine Eigendynamik. Umgangssprachlich ist diese Aussage negativ besetzt. Wenn sich Politiker über den richtigen Weg in die Zukunft streiten, heißt es: "Bitte keine Experimente mehr!". Dabei ist ein Experiment Voraussetzung für Entwicklung. Nur wenn ich etwas praktisch ausprobiert habe, lässt es sich später anwenden, verändern oder wird ad acta gelegt. So ist das auch mit der Entwicklung der Schullandschaft im ländlichen Raum. Seit vielen Jahren hängt das Damoklesschwert der Schließung über den Schulen der Region. Oft wird nicht nach der Pädagogik gefragt, sondern wie viel Anmeldungen vorhanden sind. Schulpolitik nach Stückzahlen. Nur, dass unsere Kinder alle einen Namen haben. Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder in der Schule einen Raum finden, in dem ihre guten Veranlagungen zur Entfaltung kommen. Deshalb suchen sie für ihre Kinder alternative Schulen. So sind die Apfelbaumschule und die Werkschule entstanden. Natürlich wird dort experimentiert. Aber eben nicht, um den Mangel zu verwalten - Schulbetriebsgenehmigung nach Stückzahl - sondern, um den Kindern eine bestmögliche Entwicklung zu ermöglichen. Missglückte "Experimente" führen in Krisen, die eine Korrektur ermöglichen. So war das in den letzten dreizehn Jahren, in denen der Gedanke von alternativen Schulen in unserer Region Gestalt gewinnen konnte. Auch die Krise, in der sich die Werkschule jetzt befindet, ist in diesen Lernprozess einzuordnen. Oder wenn es denn sogenannt werden soll, in einen Raum für Experimente. Es gibt Gründe, warum Eltern ihre Kinder auf alternative Schulen schicken. Nicht, weil andere Schulen und deren Pädagogen so schlecht sind, sondern, weil viel Wert auf Gemeinschaft gelegt wird. Dass an der Werkschule eine Gemeinschaft unter Kindern, Lehrkräften und Eltern gewachsen ist, zeigte die letzte Sondersitzung des Werkschulvereins. Die Mehrheit möchte dieses "Experiment" fortführen. Ob die Kraft dazu ausreicht, wird sich zeigen. Ich fände es schade, wenn solch eine Schule aus unserer Region verschwinden würde. Es wäre ein weiterer Verlust von Lebensqualität in diesem Landstrich.

Pfarrer Rico Riese, Mahlis
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 23.04.2013