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Starke Solidarität mit der Werkschule Drucken E-Mail
Donnerstag, den 25. April 2013 um 00:00 Uhr

Arbeitsgruppen im erweiterten Verein gegründet / Heike Bollmann: Geringes Schülerpotenzial kein Naundorfer Problem

Naundorf. Der Evangelische Werkschulverein erhält breite Unterstützung, nicht nur von Seiten der Eltern. Das wurde zur jüngsten außerordentlichen Mitgliederversammlung deutlich. Die Arbeit der vergangenen sieben Jahre soll nicht aufgegeben werden, nachdem der Schulträger abgesprungen ist. Darüber herrscht Einigkeit bei Mitgliedern und Pädagogen der freien Schule. Ziel ist weiterhin, den Schulbetrieb in Vereinsträgerschaft zu erhalten.

Innerhalb einer Woche ist der Verein um 20 Mitglieder gewachsen, darunter viele Eltern und Lehrer. "Das ist ein ermutigendes Signal, das uns den Rücken stärkt. Wir spüren starke Solidarität und festen Unterstützungswillen", berichtet Gabriele Schneider vom Vorstand. Dazu zähle neben pädagogischer und finanzieller Hilfe juristischer Beistand. Im Fokus der Bemühungen stehe die Vereinsträgerschaft, von der Suche nach anderen Trägern habe man Abstand genommen.

Der bisherigen Vereinsvorstand wurde gebeten, in der "Phase des Umbruchs und Übergangs" am Ruder zu bleiben. "Ein Wechsel könnte das bisher geleistete destabilisieren", so Gabriele Schneider. Jedes Vorstandsmitglied ist von nun an auch "Kopf" einer einzelnen Arbeitsgruppe, bei dem die Fäden zusammenlaufen. "Die Bereitschaft war groß, fast jeder der 40 Anwesenden hat seine Mitarbeit in einer oder gar zwei der Gruppen angekündigt", freut sich die Vereinssprecherin. Jedoch sei dies nur der "kämpferische Kern" der Initiative. Auch diejenigen, die beruflich oder anderweitig verhindert waren, bekundeten ihren Willen für die Werkschule, "so weit wir den Rückhalt bei den Familien haben", räumt die Klingenhainerin ein.

Die Kooperation mit den Eltern derzeitiger und künftiger Werkschüler bleibe das A und O, damit der Wechsel der Trägerschaft ausreichend unterfüttert ist. Der Eifer der Eltern, andere Möglichkeiten für ihr Kind oder die Kinder zu finden, sei verständlich, die Suche nach einem Plan B legitim, die Fortsetzung der Werkschule mit der Chance eines Neuanfangs aber ebenso. "Es geht um den Erhalt unserer Arbeit der vergangenen sieben Jahre und zuvor, die Achtung dessen, was an gewachsener Schulgemeinschaft auf einem guten Weg ist. Das sollten wir nicht mit Füßen treten, die in alle Richtungen auseinanderrennen".

Engagierte Kämpferin für einen Neuanfang ist auch Heike Bollmann. Seit Bestehen der Werkschule unterrichtet die Döbelnerin Deutsch und Musik in Naundorf. Als Mutter, Vereinsmitglied und Pädagogin plädiert sie für eine Alternative zum staatlichen Schulsystem. Deshalb sei sie 2007 nach Naundorf gegangen. "Unsere Strukturen funktionieren, der erste Jahrgang absolviert demnächst seine Abschlussprüfungen - übrigens die gleichen wie alle anderen Mittelschulen in Sachsen auch", sagt sie mit Blick auf das, was die Werkschule bisher geleistet hat. Darüber hinaus habe das jahrgangsübergreifende Lernen in Naundorf begünstigt, dass etwa Acht-, Neunt- und Zehntklässler Freundschaften pflegen, die auch außerhalb der Schule bestehen. Das geringe Schülerpotenzial sei kein Naundorfer Problem. Es stehe auch für andere Mittelschulen im ländlichen Raum zur Diskussion. Die künftige Gestaltung des Unterrichts in Naundorf solle, genau wie die Vereinsarbeit, gemeinsam mit den Eltern geschehen, damit die Kinder "strukturiert lernen, selbstständig etwas zu lernen", so Heike Bollmann.

Spendenkonto für Erhalt der Werkschule: Volksbank Riesa, Kontonummer: 47069602, Bankleitzahl: 85094984, Verwendungszweck: "Aufbruch Schule".

Text: Christian Kunze
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 25.04.2013