Startseite Presse 2013 Gespräch am Sonntag „Feuer und Begeisterung entfacht"
Gespräch am Sonntag „Feuer und Begeisterung entfacht" Drucken E-Mail
Sonntag, den 12. Mai 2013 um 08:19 Uhr

Gabriele Schneider über 22 Eltern, Kraft und einen großen Schatz

Gabriele Schneider: „Wir sind eine starke Gemeinschaft." Foto: swb

Naundorf (SWB). Im SONNTAGS WOCHENBLATT-Gespräch erklärt Gabriele Schneider, Vorstandsmitglied des Evangelischen Werkschulvereins e. V, warum es sich lohnt, die evangelische Werkschule in Naundorf am Leben zu erhalten.

SWB: Dunkle Wolken zogen vor wenigen Wochen über die evangelische Werkschule in Naundorf. Was ist passiert?
Gabriele Schneider: Der Träger der Evangelischen Werkschule Naundorf, die Evangelische gemeinnützige Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte mbH –eine Tochtergesellschaft der Diakonie Leipziger Land, ist unvermutet und plötzlich abgesprungen und stellt zum 31. Juli die Trägerschaft ein.

Was gab es für Gründe für diesen einschneidenden Schritt?
Wir hätten zu wenig Schüler, um wirtschaftlich und finanziell tragbar zu sein. Am Schulgebäude bestünden bauliche Auflagen.

Wie hat der Evangelische Werkstattverein e. V. dieser Hiobsbotschaft entgegengewirkt?
Wir haben einen Krisenabend einberufen. An diesem 16. April kamen Schüler der oberen Klassen, Lehrer, Eltern, Vertreter freier Schulen und der evangelischen Schulstiftung sowie der Superintendent – alles in allem 87 Personen – in der Aula der Schule zusammen.

Was war der Grundtenor des Abends?
Allen war klar, dass die Nachricht nicht das Schulende sein kann. Die Frage hieß dann: Worauf setzen wir unsere volle Energie?

Und Ihre Antwort?
Einmütig entschieden wir, alle Anstrengungen darauf zu verwenden, dass der Schulbetrieb weitergehen kann. 22 Eltern besiegelten dies mit ihrer Unterschrift zu einem Eintritt in unseren Verein. Wir riefen verschiedene Arbeitsgruppen zu finanziellen und rechtlichen Fragen ins Leben. Was wir alle spürten: Das Feuer und die Begeisterung am Fortbestand der Schule wurde entfacht.

Was haben Sie noch unternommen, um auf die Situation der Schule aufmerksam zu machen?
Wir haben unsere Werbung in eigener Sache verstärkt, sind mit unserem Problem an .die Presse gegangen, haben Schnuppertage für Schüler organisiert und führen einmal monatlich, immer samstags, den Werkschultag durch.

Was sind jetzt die vordergründigsten Aufgaben?
Unser Einzelverein muss mit einer Satzungsänderung Trägerverein werden, also um eine Trägerübernahme bitten. Mithilfe der Bildungsagentur müssen wir dann alle Auflagen stemmen.

Seid Ihr frohen Mutes?
Natürlich, wir sind eine starke Gemeinschaft. Der Optimismus und die Begeisterung sind ansteckend. Das Fundament bilden die Schüler, Lehrer und Eltern – das gibt Kraft und Energie.

Können Sie Bedenken für unentschlossene Eltern ausräumen, die zögern, ihre Kinder in der evangelischen Werkschule anzumelden?
Als Mittelschule sind wir verpflichtet, den sächsischen Lehrplan zu erfüllen, damit die Schüler ihre Prüfungen ablegen können. Insgesamt lernen bei uns 77 Schüler von der 5. bis 10. Klasse. Alle Schüler der 10. Klasse wissen, wohin ihre Reise geht: Entweder haben sie sich für das Abitur an­gemeldet oder beginnen eine Lehre.

Können Sie kurz erläutern, was hinter dem Konzept der Schule steckt?
Unsere Prämisse war es immer, eine enge Kooperation mit einheimischen Unternehmen, die Praktikumsbetriebe für unsere Schüler sind, anzustreben und die Jugendlichen in der Region zu halten. Schließlich können unsere Schüler von heute die Lehrlinge von morgen für die Unternehmen sein. Ich denke, dass das ein großer Schatz für beide Seiten ist.

Was haben die Schüler selbst unternommen, um auf das Problem der Schulschließung hinzuweisen?
Die Schüler haben beispielsweise eine Foto-College entwickelt, und bei einem Benefizkonzert mit den „Unkomplizierten" aus Naundorf 536 Euro eingenommen. Am 15. Mai demonstrieren wir in Dresden.

Ist den Schülern der Ernst der Lage bewusst?
Ich denke, ja. Sie haben ihre Forderungen klar formuliert. Sie wollen, dass es bunt bleibt, dass Schüler miteinander lernen, dass Schule ein Lebensort ist, dass Schüler Lebenssinn entdecken und sie setzen sich für eine starke Gemeinschaft Schüler-Eltern-Lehrer-Verein ein.

Welchen Anklang und welche Anteilnahme finden Sie in Naundorf?
Wir bemühen uns, die Naundorfer im Rahmen eines Theaterprojekts oder mit unserem Stand beim Weihnachtsmarkt für unsere Belange zu begeistern. Die Schüler sind Mitglied beim Sportverein Traktor Naundorf, um die Turnhalle zu beleben. Unsere Schule ist auch ein Bildungs- und Kulturobjekt. Es wäre schön, wenn wir die Naundorfer mit in unser Boot holen könnten.

Spendenkonto für den Erhalt der Naundorfer Werkschule: Volksbank Riesa, Kontonummer: 47069602, Bankleitzahl: 85094984, Verwendungszweck: „Aufbruch Schule"

Gespräch: H. Landschreiber
Quelle: Sonntagswochenblatt 12.05.2013