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Montag, den 08. Juli 2013 um 00:00 Uhr

Ein Verein will die Werkschule Naundorf weiterführen - und sieht die Krise als Chance

Schüler der Werkschule Naundorf stimmen sich auf dem Sommerfest Ende Juni ein - auch auf eine gemeinsame Zukunft. Nach dem Rückzug des alten Trägers müssen noch viele Fragen geklärt werden. Foto: Sven FischerDas Schuljahr in Sachsen neigt sich dem Ende, vielerorts kehrt eine gewisse Ruhe ein. Nicht so in Naundorf bei Oschatz. Dort kämpft der Evangelische Werkschulverein um die Weiterführung des Schulbetriebs und steht vor einem arbeitsreichen Sommer. Nach dem Rückzug des Trägers, der Evangelischen gemeinnützigen Gesellschaft für Bildungs- und Sozialprojekte mbH, Mitte April ist unklar, wie es für die Mittelschule nach den Ferien weitergeht.

„Momentan haben wir viele Schritte gleichzeitig zu tun“, sagt Sven Fischer vom Öffentlichkeitsausschuss des Evangelischen Werkschulvereins Naundorf e. V., der bisher Förderverein war und nun die Trägerschaft übernehmen will. „Gerade werden das Finanzkonzept und die Stundentafel für die Pädagogen überarbeitet, Personal- und Bewerbungsgespräche laufen, und die neuen Schulverträge sind an die Familien versandt. Die Gemeinde Naundorf unterstützt uns in der Aufrechterhaltung des Schulbetriebs. Sie ist bereit, mit uns über die Übereignung der Gebäude zu verhandeln“. Noch gebe es viel zu bearbeiten, ein Kredit werde für die Einhaltung der nötigen Bau- und Brandschutzauflagen unumgänglich sein, meint Sven Fischer. Trotzdem sieht er die Lage positiv: „Es herrscht Aufbruchstimmung. Wir haben die Zusage von 52 Schülern, die an der Schule bleiben wollen.“

Zudem käme aus der Region immer wieder Unterstützung, berichtet Sven Fischer. So habe man zum Sommerfest Ende Juni bei einem Benefizkonzert 600 Euro Spenden gesammelt. „Das bestärkt uns darin, weiterzumachen.“ Die Krise sei auch eine Chance. „Wir als Verein haben in der Vergangenheit Sachen gesehen, die wir in der Schule ändern wollten, sie aber nicht ändern konnten, da wir nicht Träger waren“. Das solle nun anders werden. Auch Kristina Gebhardt, die derzeit den Verein in rechtlichen und finanziellen Fra gen unterstützt, ist hoffnungsvoll, „Wir haben tausend Sachen gleichzeitig zu erledigen, Fragen zu klären und Anträge zu stellen. Aber wenn wir nicht optimistisch wären, würden wir das nicht machen“, sagt sie.

Die Werkschule wurde 2007 gegründet und erhielt 2010 die staatliche Anerkennung. Zuletzt lernten hier 77 Schüler. Erstmals gab es in diesem Jahr Abschlussprüfungen der zehnten Klasse, die alle 14 Schüler bestanden. Für Sven Fischer ein gutes Zeichen, dass die praxisnahe Ausrichtung funktioniert: „Alle Abgänger wissen, wie es danach weitergeht. Entweder haben sie einen Lehrvertrag in der Tasche oder eine Zusage fürs Berufsgymnasium. Das ist ein schöner Erfolg.“


Text: Thomas Barth
Foto: Sven Fischer
Quelle: Der Sonntag Nr. 27 vom 07.07.2013