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Samstag, den 31. August 2013 um 00:00 Uhr

Angelika Gollmer leitet seit 1. August offiziell die Evangelische Werkschule in Naundorf

Angelika Gollmer ist die neue Leiterin der Evangelischen Werkschule Naundorf. Die 61-Jährige möchte sich dafür stark machen, dass die Schülerinnen und Schüler in Naundorf noch mehr mitgestalten können als bisher. Gleiches gelte auch für die Eltern jetziger und künftiger Schüler. Foto: Sven Bartsch

Naundorf. Angelika Gollmer nimmt sich selbst nicht so wichtig. Für sie stehen die Schüler im Vordergrund. Die neue Leiterin der Evangelischen Werkschule möchte die Heranwachsenden stärker einbeziehen - und freut sich auf ihre neue Aufgabe.

Genau wie das Gros der Werkschüler pendelt Angelika Gollmer. Zwischen Naundorf, Riesa, wo sie eine Zweitwohnung hat und Hohenleipisch bei Elsterwerda spielt sich ihr Leben ab, das seit Sommer vergangenen Jahres um eine Station reicher ist. Da kehrte Gollmer zu dem zurück, wofür sie ausgebildet wurde - Unterrichten von Mathematik und Physik. Nach dem Studium an der Humboldt-Universität Berlin stellte die in Bad Liebenwerda Geborene fest, dass das Schulsystem nicht das versprach, was sie erwartet hatte. Die Begeisterung für den Beruf, eingeimpft vom Vater, ebenfalls Mathematik-Lehrer, war jedoch da. Zwischenstationen wie die dreijährige Tätigkeit für die DDR-Kinder-Jugendzeitschrift "Technikus" und die spätere Arbeit als Sozialverantwortliche in einem Volkseigenen Betrieb haben sie nach eigenen Aussagen auf das vorbereitet, was sie nun tut - jugendgerechte Vermittlung des Lehrstoffs und Organisieren des Schulalltags.

Nach der politischen Wende eignete sich die in zweiter Ehe lebende Mutter dreier erwachsener Kinder Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Informatik an, gab Kurse an Bildungsinstituten und bot ihr Wissen als Selbstständige an - unter anderem für Weiterbildungsmaßnahmen in Kooperation mit der Agentur für Arbeit.

Der Beginn in Naundorf war für die Pädagogin, die sich in ihrer Freizeit vor allem dem heimischen Garten widmet oder bei klassischer Musik entspannt, verbunden mit der eigenen Schulzeit. Denn eine ehemalige Mitschülerin, genau genommen sogar "Sandkastenfreundin", zu der der Kontakt nicht angebrochen war, unterrichtete dort und "holte" sie ins Team - zunächst als Lehrerin.

Den Schulleiterposten nahm sie an, vor allem, weil sie wollte, dass die Schule erhalten bleibt und sie hier weiter unterrichten kann - ein Entschluss, den nicht alle Kollegen fassten, was sie jedoch nachvollziehen kann. Unter ihrer Leitung wurde zum Schuljahresauftakt mit 47 Jungen und Mädchen am Montag am Konzept gefeilt. "Wir haben, vor allem bei den jüngeren Schülern, zu viel vorausgesetzt." Die Rückkehr zum 45-Minuten-Takt des Unterrichts, den die Kinder größtenteils in ein und demselben Raum verbringen, soll wieder mehr Struktur bringen. "Bisher waren sie mehr auf sich selbst gestellt und wanderten tagsüber von Zimmer zu Zimmer. Das brachte auch Unruhe", schätzt Gollmer ein. Die Rolle des Lehrers, der meist Fragen stellt, die die Schüler beantworten müssen, sieht sie in Naundorf umgekehrt. "Der Lehrer soll hier antworten, die Schüler können fragen", bringt sie es auf den Punkt. Dann könne es auch gelingen, die eigenen Vorstellungen der Jugendlichen stärker einzubringen.

Einbringen können und müssen sich auch die Eltern intensiver als zuvor, um die Schule zu gestalten. Mit dem Trägerwechsel, der es Eltern ermöglicht, im Werkschulverein mitzuwirken, sei dafür die Basis geschaffen. Dankbar ist Angelika Gollmer außerdem, dass Mütter und Väter auch inhaltlich Einfluss nehmen und Ganztagsangebote ehrenamtlich leiten. "Wir sind zusammengerückt und müssen noch mehr zusammenrücken", nennt sie ein Ziel ihrer neuen Tätigkeit.

Text: Christian Kunze
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 31.08.2013