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Sonntag, den 01. September 2013 um 00:00 Uhr

Eltern und Spender sichern das neue Schuljahr der Evangelischen Werkschule Naundorf

Die neue Schulleiterin Angelika Gollmer (M.) mit einigen ihrer Schüler. Sie kann in der Evangelischen Werkschule Naundorf ein neues Kapitel Schulgeschichte schreiben, denn die Finanzierung ist vorerst gesichert. Foto: Thomas Barth

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt ein neues Schuljahr für die Evangelische Werkschule Naundorf, es gibt einen neuen Träger und es gibt eine neue Schulleiterin. Doch bis zu dieser Entscheidung waren es wohl die spannendsten Sommerferien, welche die Schüler, mehr aber noch ihre Eltern und die Lehrer der Evangelischen Werkschule Naundorf je erlebt haben.

Bis Mitte Juli war unklar, ob die 2007 gegründete Mittelschule in dem Oschatzer Ortsteil ein weiteres Schuljahr bestehen kann - oder zum Monatsende schließen muss. Denn nach dem Rückzug der Diakonietochter EBS als Träger der Einrichtung stand seit April vor allem die Finanzierung der Schule in den Sternen.

Doch dann kam die Mitgliederversammlung, die nicht nur bei Sven Fischer vom ehemaligen Förder- und jetzigen Trägerverein der Schule unvergessen bleiben wird. »Wir hatten schon aufgegeben und wollten an dem Abend das Ende der Schule verkünden«, erzählt Fischer. »Uns fehlten 39 000 Euro und viele Patenschaften, ohne die eine Finanzierung für das Schuljahr nicht möglich war. « Die mittlerweile zahlreichen Vereinsmitglieder verstanden das Signal und machten an dem Abend enorme finanzielle Zusagen. »Damit haben die Mitglieder einen wahnsinnigen Beitrag geleistet«, ist Fischer heute noch begeistert. Die Lücke in der Finanzierung konnte mit diesen Spenden und mit Patenschaften geschlossen werden. Außerdem kam die Kommune dem Verein bei der Miete für das Schulgebäude entgegen. Das Schulgeld habe deshalb nicht erhöht werden müssen.

»Gott hat das gut gefügt«, meint Sven Fischer. Nachdem die finanzielle Sicherheit mit der Diakonie im Rücken weg sei, freue er sich über das große Engagement aller Beteiligten: »Mindestens ein Elternteil der Schüler muss im Verein sein und alle müssen ganz aktiv mitarbeiten«, erklärt er. »Auch die Gemeinschaft im Ort und in der Umgebung muss mit der Schule zusammenwachsen«, erläutert Fischer, wie die Schule nun Wurzeln schlagen muss.

Angelika Gollmer aus der Nähe von Elsterwerda hat ganz schnell Wurzeln geschlagen. Bereits nach ihrem ersten Schuljahr in Naundorf hat die 61-Jährige nun die Leitung des Hauses mit derzeit elf Lehrern und knapp 50 Schülern übernommen. »Ich bin fasziniert von der angenehmen Atmosphäre in der Schule mit weniger Stress«, sagt die Lehrerin für Mathematik und Physik.

Allerdings bringen die sechs kleinen Klassen nicht nur pädagogische Vorteile, sondern auch organisatorische Schwierigkeiten. Außer neunter und zehnter Klasse werden jeweils zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet. Und alles im Erdgeschoss, was mit fehlendem Brandschutz im Haus zu tun hat. Daran wird im nächsten Jahr noch zu arbeiten sein, wissen alle Beteiligten.

Der nächste Tag der offenen Tür in der Werkschule ist am 28. September.

Text: Uwe Naumann
Quelle: Der Sonntag 01.09.2013