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Dienstag, den 26. November 2013 um 08:00 Uhr

"Lass mich nicht allein": Dankeschön-Abend der Evangelischen Werkschule Naundorf mit Theater rund um das Erwachsenwerden

Licht, Masken, eindrucksvolle Kostüme und das Spiel der Naundorfer Werkschüler schaffen eine warme und doch ungewohnte Atmosphäre in der Katharinenkirche zu Naundorf. Das Theaterprojekt "Lass mich nicht allein" - unter diesem Motto stand der jüngste Dankeschönabend der Evangelischen Werkschule und des Trägervereins in der St. Katharinenkirche. Als Titel des Theaterstücks, welches Schüler mit dem Theatre de Luna aus Limbach einstudiert hatten und als erhörte Bitte kann "Lass mich nicht allein" doppelt gelesen werden.

Der Dankeschön-Abend stand ganz besonders im Zeichen der "Schulrettung" im Sommer. Nach dem erfolgreichen Trägerwechsel, einer bewältigten Krise und dem Neuanfang zeigten Verein und Träger, was in den zurückliegenden Monaten geschafft wurde.

Als Dank an all jene, die Schüler, Lehrer, Eltern und Vereinsmitglieder in einer schwierigen Zeit nicht allein gelassen haben, wurde der Abend gestaltet. Von Theatre de Luna in ein besonderes Licht getaucht, zeigte sich der Kirchenraum vielen Besuchern, wie sie ihn noch nie gesehen hatten. Das einstündige Stück, welches zwölf Jungen und Mädchen der Klassenstufen 9 und 10 eine Woche lang intensiv einstudiert haben, fokussiert in wenigen, eindrucksvollen Szenen das Heranwachsen der Protagonisten von der Geburt bis zum Erwachsenwerden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Schulalltag und allem, was damit zu tun hat, denn das ist die Erfahrungswelt, aus der die jungen Darsteller am meisten schöpfen können. Dementsprechend gesellen sich zu harmonischen, komischen, bedrückenden und mitunter sehr drastischen Szenen, die man vom Theatre de Luna kennt, dieses Mal erstaunlich viele moderne Musikstücke - Ricky Martin hört man in einem Gotteshaus sonst nie. Und auch ein Buffett ist im Kirchenraum eher selten aufgebaut.

Waffen auf dem Schulhof: Theater kann und darf auch drastisch sein, das beweisen die Werkschüler und das Theatre de Luna. Das regt allemal zum Nachdenken an. Foto: Sven Bartsch"Lass mich nicht allein" ist eine ambitionierte Spielwiese für die Schülerinnen und Schüler, die gerade mitten in der Pubertät stecken. "Heutzutage bieten sich während und nach der Schulzeit immens viele Möglichkeiten. Diese Auswahl kann auch erdrückend sein", sagt Jürgen Hartmann-Bastl vom Theatre de Luna und ergänzt über die Arbeit mit den Schülern: "Eine Woche lang haben sie uns vertraut. Nun ist Premiere und wir vertrauen ihnen."

Das Vertrauen in die Werkschüler wird nicht enttäuscht. "Lass mich nicht allein" kommt fast gänzlich ohne Wort aus, nur zwei Mal erleben die Zuschauer, dass eine sich selbst als Sozialarbeiterin vorstellende Frau die Szene betritt und das Geschehen zu erklären versucht. Damit scheitert sie kläglich und beweist damit eindrucksvoll, dass es auch für den Zuschauer besser ist, sich ganz der Bildsprache auszuliefern. Und davon gibt es, Dank der Kostüme, Requisiten und Gesten, reichlich: Zankende Kleinkinder, die im Zwist handgreiflich werden und versehentlich Plüschtiere köpfen, zwei Mädchen, die ein drittes stützen oder Jungs, die aus dem Schulhof einen Boxring machen und sich schließlich mit Schusswaffen gegenüber stehen - sie alle sind nicht allein. Sie haben nur die falschen Gefährten auf dem Weg zum Erwachsensein getroffen und müssen nun mit den Konsequenzen leben.

Das Resultat rührt nicht nur Uta Riese vom Werkschulverein zu Tränen. Auch Schulleiterin Angelika Gollmer ist davon tief berührt. "Die Schüler haben hier ihre Persönlichkeit ganz stark mit eingebracht", hat sie festgestellt.

Text: Christian Kunze
Fotos: Sven Bartsch
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 26.11.2013