Startseite Presse 2013 Premiere für viele: Der kleine Muck auf der großen Bühne
Premiere für viele: Der kleine Muck auf der großen Bühne Drucken E-Mail
Freitag, den 06. Dezember 2013 um 14:03 Uhr

Freies Spiel, klare Botschaften und prächtige Kostüme: Über 300 Besucher sehen Theater-Aufführungen der Evangelischen Werkschule Naundorf

Der kleine Muck alias Moritz Brüggemann (rechts) und sein Vater (dargestellt von Nino Fricke) sind nur zwei Figuren, welche die Werkschüler im Rahmen ihres Weihnachtstheaters aus dem Orient nach Naundorf gebracht und zum Leben erweckt haben. Foto: Sven BartschRund 300 Jungen und Mädchen der umliegenden Kindertagesstätten und Grundschulen wurden gestern Vormittag Zeuge gleich mehrerer magischer Verwandlungen: Die Turnhalle Naundorf wandelte sich zu einer orientalischen Stadt, die Schülerinnen und Schüler der Freien Evangelischen Werkschule stellten deren Bewohner in farbenprächtigen Kostümen dar, und schließlich wuchsen einigen von ihnen wie durch Zauberhand auch noch goldfarbene Eselsohren.

Kein Zweifel, das diesjährige Naundorfer Weihnachtsmärchen, angelehnt an "Die Geschichte vom kleinen Muck" von Wilhelm Hauff, war eine Kraftakt. Nahezu alle Akteure im Alter von 11 bis 14 Jahren vor und hinter den Kulissen arbeiteten das erste Mal mit Theaterpädagogin Jacqueline Ziegeler-Jentzsch zusammen. Sie erarbeitete Szenen und Dialoge selbstständig mit den Darstellern, es gab also kein fertiges Drehbuch, auf das man zurückgreifen konnte. Ebenfalls nicht nach Drehbuch verlief die Entscheidung dafür, dass in diesem Jahr "Die Geschichte vom kleinen Muck" auf die Bühne kommt. Der Trägerwechsel der freien Oberschule im Sommer und die zuvor überbrachte Hiobsbotschaft des ehemaligen Trägers wirkten sich auch auf die Inszenierung aus. Denn Jacqueline Ziegeler-Jentzsch hatte ursprünglich vor, "Frau Holle" zu inszenieren.

Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr: Die Waldheimerin hatte nur zwei Monate Zeit, um das Stück mit den Schülern zu erarbeiten, vorzubereiten und zu proben. "Die Aufregung vor und hinter der Bühne ist groß", meinte Schulleiterin Angelika Gollmer, und damit traf sie ins Schwarze: Vielen der jüngsten Akteure war ihr Lampenfieber anzumerken, die jungen Besucher im Publikum konnten auch während der musikalisch unterlegten Umbaupausen ihre Blicke kaum vom Geschehen auf den beiden Bühnen abwenden. Ob die Steppkes jede der kleinen Botschaften, die im Stück stecken, verinnerlichten, ist jedoch zweitrangig. Wenn ihnen die dargebotene Geschichte gefällt, erkennen sie vielleicht beim erneuten Erleben des Märchens den Gehalt von Sätzen wie: "Glück, das man nicht teilt, hält nicht lange an" oder "Glück des einen führt manchmal zu Unglück eines anderen."

Es blieb jedoch nicht beim klassischen darstellenden Spiel in Naundorf. Eine Horde Kinder jagte gleich zu Beginn des Stücks den körperlich missgestalteten kleinen Muck quer durch die Turnhalle, später plauderten die Tempelwachen, die Teile der Handlung kommentierten, munter mit den Zuschauern. Daran hatten auch die Erwachsenen im Publikum ihren Spaß.

Neben den Katzen, die immer wieder durch die Szenen schlichen, waren es vor allem die Requisiten und witzigen Einfälle, die den Naundorfer "Muck" zu etwas Besonderem machten. "Wir sind hier nicht beim Dackelrennen" hieß es da etwa beim Wettlauf des Kleinen mit dem Oberleibläufer des Sultans. Und Freunde des Sprachspiels kamen bei Binnenreimen des Heilers auf ihre Kosten, der die durch verzauberte Feigen hervorgerufenen, tierischen Veränderungen der Tempelbewohner unter die Lupe nahm ("Hochwohlgeboren ist verloren mit seinen Eselsohren.").

Als dann, im übertragenen Sinne, der Vorhang fiel, gab es stehende Ovationen von den Kindern im Publikum. Anschließend ließen sie sich nicht zwei Mal bitten, die wohl schönste Schöpfung der Kulissenbauer in Beschlag zu nehmen. Eine Runde auf einem fahrenden Elefant zu reiten, das war an diesem Tag in Naundorf nicht nur dem Kleinen Muck im Stück vergönnt.

Text: Christian Kunze
Foto: Sven Bartsch
Quelle: Oschatzer Allgemeine Zeitung 06.12.2013