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Feuertreppe macht das Rennen Drucken E-Mail
Dienstag, den 10. Dezember 2013 um 20:48 Uhr

Projektabschluss Luther-Ausstellung: Leisniger Schüler vergeben 650 Euro an Werkschule Naundorf

Anna Jentzsch, Vanessa Lehmann und Sarah Weißhuhn (von links) schreiben die Sum¬men für die jeweils auserwählte Organisation an die Tafel. Foto: sjDas hat die rund 230 Leisniger Grund- und Oberschüler dann doch umgehauen: Von insgesamt 1000 Euro aus dem Kasten der Martin-Luther-Wanderausstellung geht mehr als die Hälfte an den Verein Evangelische Werkschule Naundorf bei Mügeln. Da ließ sich gestern in der Apian-Aula auch mancher zu Buh-Rufen hinreißen – wobei: Die Entscheidung hatten alle gemeinsam getroffen.

Die Aula ist voll gestern Vormittag. Immerhin gibt es 1000 Euro zu verteilen. Wer wie viel bekommt, war bis dahin geheim. Entschieden haben die Leisniger Schüler der dritten bis siebenten Klassen bereits bei ihren jüngsten Besuchen in der Luther-Wanderausstellung im Leisniger Stadtgut. Sie selbst trafen in insgesamt 20 Gruppen genau wie zu Martin Luthers Zeiten gemeinsam die Wahl, wie ein vorgegebener Betrag von 1000 Euro auf vier reale, soziale Projekte verteilt werden sollen.

Zur Wahl standen: Entweder Geld ausgeben für neue Bücher für die Leisniger Stadtbibliothek oder für neue Ausstattung des Hortes der Grundschule Leisnig; das Kinderheim Seidewitz stand als Geldempfänger zu Wahl sowie der Verein Evangelische Werkschule Naundorf. Dort muss dringend in Brandschutzanlagen investiert werden, zum Beispiel eine Feuertreppe. Dass dann für letzteres Projekt mit 650 Euro der größte Betrag aufgebracht wird, hat im Nachhinein die Schüler in der Aula ganz schön verwundert. An die Bibliothek gehen 50 Euro, an den Hort 100 Euro und an das Kinderheim in Seidewitz 175 Euro. Diakon Michael Richter: „Das war bestimmt gestern bei den Schülern ein Aha-Effekt: Die einzelnen Gruppen hatten im Stadtgut jeweils unabhängig voneinander über die Mittelvergabe entschieden. Erst beim gestrigen Projekt-Abschluss wurde klar, dass im Grunde alle zusammen den Schwerpunkt auf die Feuertreppe der Werkschule Naundorf legten.“ In der Ausstellung hatten die Jungen und Mädchen in historischen Kostümen die Rollen früherer Leisniger übernommen, ihre Entscheidung zur Geldvergabe auf Dokumentenrollen geschrieben und diese versiegeln lassen. Max Hentschel aus der Klasse 6b hat gestern beim Verlesen assistiert, und mit bunter Kreide wurden die Summen zum Zusammenrechnen für alle sichtbar an die Tafel geschrieben. Die Entscheidung fiel gemeinschaftlich und demokratisch.

Kristin Dorias-Thomas, Leiterin der Oberschule, sagt über das Projekt: „Das ist Demokratie pur und ganz mein Ding. Die Schüler haben gesehen, dass sie in der Ausstellung im Stadtgut nicht nur etwas gespielt haben, sondern dass ihre dortige Entscheidung Konsequenzen hat. Dass das eigene Gerechtigkeitsgefühl danach doch etwas anderes sagt, muss diskutiert werden.“ Genau solche Diskussionen habe sie gestern nach der Veranstaltung auch mit Schülern geführt. Nun fragt sich noch, woher die 1000 Euro für das Projekt kamen: Die haben die an der Vorbereitung beteiligten Religionspädagogen des Kirchenbezirkes aus Spenden aufgebracht. Wer zum Beispiel bei „Futtern für Luthern“ in der Teestube mit aß, hat auch daran mitgewirkt, dass die Wanderausstellung mit all ihren Facetten ein Erfolg werden konnte.

Text: Steffi Robak
Foto: sj
Quelle: Döbelner Allgemeine Zeitung 06.12.2013